So etwas wie einen Monolog gibt es nicht

Anmerkungen zu diesem Web-Auftritt, zur SEO und zum Schreiben überhaupt

[aktualisiert am: 7. Juli 2008]
Ich habe heute eine Entscheidung getroffen: Ich gebe jeden Gedanken an eine Kundenorientierung für dieses Webs auf. Ich benutze diesen Auftritt, um meine Gedanken festzuhalten und um Erlebnisse zu notieren. Auch wenn ich Fritz Perls inzwischen ja ziemlich doof finde, mündet das irgendwie in sein Gestaltgebet (das ich ja noch am schlimmsten von ihm finde). Es lautet (ich kenne es noch auswendig):

Ich bin ich und du bist du
ich bin nicht auf der welt um deinen erwartungen zu entsprechen und
du bist nicht auf der welt um meinen erwartungen zu entsprechen.
wenn wir uns treffen, ist es schön, wenn nicht, kann man nichts machen.

Aber das stimmt ja nicht! Ich will ja Erwartungen entsprechen, z.B. denen von Sabine. Aber ich will eben nicht den Erwartungen einer Zielgruppe entsprechen und auf Fremde auch keine Rücksicht nehmen. Also ändere ich meinen Schreibstil, so wie in einem Tagebuch etwa.

Also ändere ich die Gestaltung der Seite, so, dass ich mich daran gut zurecht finde, schnell etwas nachschlagen kann usw. (Wenn andere damit Probleme haben, sollen sie mich einfach fragen)

Also ändere ich die Inhalte. Ich frage nicht: Wen könnte das interessieren? Sondern ich schreibe auf, was mich selbst beschäftigt. 

Also nutze ich die Kommentarfunktion, wenn ich mal schnell etwas zu einem Text von mir notieren will.

Aber warum schreibe ich so und sowas öffentlich und nicht privat? 

Weil ich ja niemanden ausschließen will. Die Frage stellt sich umgekehrt und beginnt mit der Behauptung:

So etwas wie einen Dialog gibt es in der kaputten Welt, die wir täglich kaputter machen, nicht.

Hierzu zitiere ich einen anderen Gestalttherapeuten und Anarchisten, Paul Goodman (wieder aus der Erinnerung):

Das Zwangssystem kennt genau die Handlungen, welche dem System gefährlich werden können und welche nicht. Jede freie Handlung ist daher mit Strafe bedroht, löst Angst aus. Solche Handlungen, die einmal frei waren, aber jetzt von der Zwangsgesellschaft toleriert oder begrüßt werden, sind damit nicht mehr frei, sondern selbst zu Zwangshandlungen geworden. 

Jedenfalls ist das Problem eben, dass der „korrekte” Dialog eben keiner ist, dass wir das Eigentliche nicht sagen und uns also ständig im Uneigentlichen begegnen. Das ist Kundenorientierung: Die Verhinderung der eigentlichen Begegnung.

Dann schreibt der ein oder andere ein philosophisches Problem, womöglich über das Eigentliche, wie Heidegger meinetwegen. Aber wo ist er selbst in seiner „Lichtung des Daseins”? Wo ist seine Erotik mit Hannah Arendt? Wo seine Eifersucht auf andere Professoren? Er unterteilte also seine Texte. Die einen waren für die Öffentlichkeit bestimmt. Aber ER ist ja nicht in dieser Öffentlichkeit, wer dann? Nichts ist darin! Und wenn ich nur mir selbst mein Privatestes anvertraue? Dann ist ICH darin. Was aber ist Ich? — Nichts. Also: Alles nichts.

Umkehrung aller Werte!

Lieber mich hinter tausend Masken verbergen, als selbst zu finden:

Ich bin nicht ich und du bist nicht du

ich bin nicht auf der welt, um meinen erwartungen zu entsprechen und

du bist nicht auf der welt, um deinen erwartungen zu entsprechen.

wenn wir uns treffen, gibt es krieg.

wenn nicht, haben wir nochmal glück gehabt.

 

(Das war ein Witz)

So etwas wie einen Monolog gibt es nicht

Auch wenn man nicht alles glauben soll, was Watzlawick so sagt, den schließlich stammt von ihm auch der Titel „Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners”[1] , sein Grundsatz, ein Grundsatz der Kommunikationswissenschaften überhaupt stimmt fürs Erste: Man kann nicht nicht kommunizieren.
Eine Ausnahme wäre, aber das zu erläutern würde hier zu weit führen, die s.g. Unio mystica.
Jedenfalls kommuniziere ich mit den Dingen und für die Dinge und mit den Dingen schreibe ich also.

Fußnoten:
  1. da habe ich mich geirrt, der stammt von Heinz v. Foerster, also aus der gleichen „Ecke”: Wahrheit ist die Erfindung eines Lügners. Gespräche für Skeptiker []

Notizen zum Text (von mir und Gästen)