Herrschaft der Weicheier
Peter Sodann auf verlorenem Posten, Bundespräsident Köhler und der Sextourismus
Als Köhler Präsident wurde, fand ich das irgendwie peinlich. Doch mit dieser Meinung gehöre ich, traut man den Umfragen, wie oft, zu einer Minderheit. Wenn er sich etwa, wie jetzt gerade, mit zitternder Stimme über Sextourismus empört (den Fernsehausschnitt finde ich nicht, hier eine ähnliche Rede), dann finden das die vielen Deutschen selbstverständlich gut, womöglich sogar die angesprochenen Sextouristen selbst. Der billige übliche Trick ist, dass Dinge in einem Atemzug genannt werden, durch Komma verbunden zu einer Einheit verschmolzen werden, die sich durchaus wesentlich unterscheiden. Etwa Pädophile, Kindermörder, Kindervergewaltiger: die gewünschte Antwort des Pöbels fällt dann wie gewünscht einheitlich aus: Todesstrafe für solche Schweine! Dabei ist etwa vielfach belegt, dass Männer in der Mehrheit auf reizende Kinder abfahren oder dass eine Vielzahl der Strafverfahren wegen Kindesmissbrauchs sich gegen ein paar Jahre ältere – Kinder – richten. Auch bekannt ist, dass sich das durchschnittliche 14-jährige Mädchen selten für gleichaltrige Jungen in ihrer Klasse interessiert. Während diese sich also relativ unbehelligt an ältere Jahrgänge in ihrer Schule heranmachen dürfen, würde sich ein 14-jähriger Junge, der seine ersten sexuellen Erfahrungen mit einem 12-jährigen Mädchen und im gegenseitigen Einverständnis verübt, eben strafbar machen. Konfrontiert man den Stammtisch mit einem solchen Beispiel, dann verstummen natürlich die Kopf-ab-Forderungen, aber das in einen Topf werfen einer sadistischen Gewalttat mit dem Herummachen unter Jugendlichen bleibt dennoch verachtenswert, weil es Volksverhetzung darstellt.
Und so sehe ich auch Volksverhetzung, Volksaufwiegelung darin, Sextouristen in einen Topf mit Menschenhändlern und Zwangsprostitution zu werfen und sich dann als Bundespräsident zu schämen, „dass Männer aus unserem Land sich an der sexuellen Ausbeutung von Frauen und Kindern in aller Welt beteiligen” ohne eben zu differenzieren. Nie würde sich Herr Köhler dafür schämen, dass wir uns alle, indem wir die Produkte kaufen, an der industriellen Ausbeutung von Frauen und Kindern in aller Welt beteiligen, denn hier würde er auf Differenzierung größten Wert legen, schließlich geht es doch den Leuten in Asien dank der Prostitution, pardon, dank der Globalisierung der Märkte, heute schon viel besser.
Mir aber ist es peinlich, dass ein Bundespräsident hier die lt. üblicher Berichterstattung ja ziemlich vielen Männer (es sollen auch zunehmend Frauen darunter sein) schlecht macht, die nach Thailand oder was weiß ich wo, hinfliegen, um auch mal etwas Glück mit schönen Menschen zu erleben oder auch um dort eine Frau oder einen Mann fürs Leben zu finden (um mal von den betroffenen Sexarbeitern ganz zu schweigen). Und noch peinlicher ist mir, dass dies von den herrschenden Medien so einfach geschluckt wird. Aber sie sind ja als Mainstreammedien schließlich auch für den Populismus zuständig. Was mich dann nur verwundert ist, dass die gleichen Medien sich trauen, bei Leuten, die nicht so einen populistischen Dreck, wie unser Bundespräsident im Amt von sich geben und dadurch, wie sie richtig feststellen, polarisieren, dann zugleich Populismus vorwerfen. Mit solchen Schlagwörtern: Populismus, polarisierend und ja, peinlich, – bewerfen diese Medien derzeit den Präsidentschaftsanwärter der LINKEN, Peter Sodann, unten dazu ein noch eher harmloses Youtube-Video.
Mich ekelt das alles an! Nietzsche nannte das die Herrschaft der Sklavenmoral, ich habe es in der Überschrift mal in Abwandlung mit gleich gemeintem Inhalt die Herrschaft der Weicheier genannt. Ekel! Nicht dass es Weicheier gibt, aber dass sie überall herrschen. Obama etwa, der den Wechsel versprochen hat, deren Interessenten für sein Team aber lückenlos dokumentieren müssen, welche Spuren sie z.B. im Internet hinterlassen haben, dass sie auch wirklich niemals irgendwo einen falschen Satz gesagt haben, sich etwas weit vorgewagt haben, einen dunklen Fleck auf der weißen Weste verstecken wollen. „The Audacity of Hope” stelle ich mir anders vor.
Dagegen also Peter Sodann. Ich kenne von ihm eigentlich nur die kurzen Sätze aus Interviews, dazu herausgeschnitten, mit der leicht erkennbaren Absicht, ihn schlecht zu machen. Und obwohl da auch ich nicht anders kann, als manchmal die Stirn zu runzeln, würde ich mir einen solchen Menschen als Bundespräsidenten mehr wünschen, als Köhler etwa. Dem kreidet keiner den Tod und die Armut von Millionen an, die der IMF, dessen Boss er ja mal war, so nebenbei produziert. Aber dass Sodann, obwohl er mal selbst im Stasiknast saß, dafür plädiert, jetzt nicht mehr jeden Ex-Stasi-Mann zu verurteilen, das kreidet man ihn an und daran kreidet man ihm nicht etwa an, dass er unter die Vergangenheit einen Strich ziehen will, sondern, dass er der Ost-Vergangenheit v verhaftet sei. Also nochmal: Ihr ekelt mich an, ihr weichgespülten Medienfritzen!