Chefsalat mit Hausdressing

Jetzt wirds prollig ;-)

 

Eigentlich wollte ich mir ja mal den Spaß machen und eine Legende in die Welt setzen, zur Entstehung des Chefsalates nämlich. Da Wikipedia derzeit keinen Eintrag (außer als Rezept im Wiki-Koch-Buch) zum Chefsalat liefert, wollte ich also folgende Geschichte in die Welt setzen:

Dem Kochhistoriker Julian Mc. Write entsprechend wurde der Chefsalat von Gästen eines New-Yorker-Nobelrestaurants in den 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts entdeckt. Und zwar hatten diese Gäste beobachtet, dass der Koch (amerikanisch: “chef”) während seiner Pause Grünzeug aus einer Schüssel aß und dabei ein zufriedenes Gesicht machte. Sie verlangten also vom Kellner, dass er ihnen auch bringen sollte, was der Koch, also der Chef da ißt, nämlich den Salat des Chefs. Und der bestand aus Resten Grünzeug, Tomaten, Käse und auf die Schnelle ein wenig Mayonaise mit Ketchup verpampt also: echtes Junkfood eben.

Aber dann habe ich mir überlegt, dass es ja schon genug Unsinn bei Wikipedia zu lesen gibt und es nun auch nicht besonders originell ist, dem weiteren Müll hinzuzufügen. Jedenfalls kannte ich als Kind und Jugendlicher, von Kartoffel- und Heringsalat abgesehen, der ja als Hauptmahlzeit für Heilig-Abend und Sylvester üblich war - nur die folgenden Salate: Gurkensalat, Tomatensalat, Bohnensalat und grüner Salat. Dabei kamen die Bohnen für den Bohnensalat aus der Dose. So war das. Und als Dressing gab es eigentlich auch nur eine Version pro Familie. Bei uns wurde Zirtrone, Öl, Zucker, Pfeffer und Maggi vermengt und zu klein geschnittenen Zwiebeln in die Schüssel gekippt. In anderen Familien nahm man statt Zitrone Essig und statt Zucker Salz. Ich mochte als Kind lieber unser süßes Maggi-Dressing. Dann Ende der 60er etwa fingen meine Cousinen an, bei irgendwelchen Feiern neue Salate auszuprobieren: Geflügelsalat, Nudelsalat, Reissalat. Das hatten sie in der Schule gelernt. Aber erst Ende der 70er Jahre lernte ich den Chefsalat kennen, um den es hier ja geht. Es gab ihn plötzlich in all den Kneipen, in denen ich verkehrte und das besondere war für uns damals nicht nur, dass da Käse, Tomaten, Schinken und Eier zum grünen Salat kamen, sondern auch das Thousand-Island-Dressing. Wobei wir damals weder diesen Namen kannten, noch wussten, dass da in der Hinterküche der Studentenkneipe einfach Mayonaise mit Ketchup vermatscht wurde. Vielmehr waren wir von dieser geheimnisvollen Sauce begeistert und keiner den ich kannte wäre auf die Idee gekommen, dass man so eine Sauce auch als Laie zuhause hinbekäme. Vielmehr kann ich mich noch erinnern, wie viel später, als ich in Norddeutschland (das muss man hinzufügen…) in einem Kinderheim gearbeitet und dort die Selbstversorgung der einzelnen Gruppen durchgesetzt hatte, eine Erzieherin auf Drängen der Kinder versucht hatte, diese weiße Sauce (auch sie konnte bis dahin nur Öl/Essig-Gemisch) irgendwie hinzubekommen. Sie hatte einfach Sahne, Milch, Salz und Pfeffer vermengt. Aber das war es natürlich nicht und die Kinder waren vom Ergebnis enttäuscht.

Inzwischen hat der Chefsalat ja seinen guten und geheimnisvollen Ruf verloren, auch im Ursprungsland der USA gilt er als „Arbeiteressen”, wie man im englischsprachigen Wiki zum Chefsalat nachlesen kann. Vielleicht um der schönen dummen alten Zeiten wegen mache ich uns aber doch manchmal einen Chefsalat. Allerdings enthält mein Haus-Dressing weder fertige Mayonaise, noch Ketchup, dafür etwas Maggi ;-) und geht so:

 

  • 1 Eigelb
  • 1 TL Senf
  • 1 TL Salz
  • 1 EL Essig

 

mit

 

  • 6 EL Öl

 

zu eine Mayonnaise rühren. Diese ist natürlich noch nicht richtig steif, da fehlt noch einiges Öl. In diese angefangene Mayonnaise rühre ich

 

  • 1 EL Zucker
  • 1 EL Majoran
  • 1 EL Senf 
  • 1 Spritzer Maggi und
  • 1 Becher Joghurt (mit 3.5% Fett)

 

Dieses Dressing behält seine Standfestigkeit durchaus mehrere Tage und kann also z.B. gut morgens angerührt werden und im Marmeladenglas (die Menge passt genau rein) im Kühlschrank aufbewahrt werden.

 

Dann braucht man vor dem Essen nur schnell das Zwiebel-, Salat- und Käse-zeugs, das man so hat,  schnibbeln (die Eier habe ich auch schon vorher hart gekocht) und die Sauce drüber gießen. Wenn ich dann statt Schinkenstreifen (oder Thunfisch, was sie gar nicht mag) eine Hähnchenbrust schnell brate und in Streifen über den Salat anrichte, dann freut sich auch Sabine.

Notizen zum Text (von mir und Gästen)