Bundesgerichtshof verbietet Keltenkreuz
Warum dann nicht auch das christliche Kreuz?
Heute am 15.11.08 also mal wieder typisch deutsche Symbol-Politik gegen rechts.
Das Keltenkreuz (hier links von mir in jetzt also strafbarer Weise gezeigt) darf man nach einem Urteil des Bundesgerichtshofes nicht mehr zeigen, weil es Rechte, genauer eine verbotene rechte Organisation, auch gezeigt haben. Nun ist das Keltenkreuz so wenig eine Erfindung von Nazis, wie das Hakenkreuz. Okay, als Kind fand ich es aufregend, das Hakenkreuz zu zeichnen (meine Tante Otti, einst stramme NSDAP’lerin hatte es mir beigebracht), weil sich dann die Erwachsenen immer so schön erschraken. Es war so ähnlich, wie “Böh!” zu rufen, nur nicht so laut. Heute benutze ich das Hakenkreuz manchmal, um menschenverachtende Stellen in Büchern am Rand zu markieren, so quasi als “negatives” Ausrufezeichen. Zum Beispiel ist das Buch Haben oder Sein des jüdischen Autoren Erich Fromm voll von solchen Markierungen. Von dieser für mich ganz praktischen Verwendung des Hakenkreuzes abgesehen, kann ich es ja noch irgendwie verstehen, dass dieses zumindest in Deutschland so eindeutig verwendete Zeichen generell verboten ist. Obwohl: wie das wohl mit Vasen oder Teppichen aus Indien ist, die gern mal mit diesem Symbol verziert sind? Muss man die dann verstecken? Ich weiß es nicht, habe keine indischen Vasen zu Hause und kann mich ja auch nicht um alles kümmern.
Nun verhält es sich mit dem Keltenkreuz aber anders, als mit diesem Hakenkreuz. Es steht nicht als markantes Symbol für unsere NS-Vergangenheit, sondern war mir eher aus heidnischen Zusammenhängen bekannt. Von diesen Heiden meinen nun manche, es sei gar älter, als das christliche Kreuz. Und ich – hier ganz ohne geschichtliches Wissen – habe mir schon mal zusammen gereimt, dass dieses Keltenkreuz sehr gut eine Verbindung eines stilisierten heiligen Grals mit dem christlichen Kreuz meinen könnte, d.h. so etwas ähnliches, wie die Erfindung der heiligen Mutter Maria durch die katholische Kirche, um matriarchalischen (Ring im Kreuz = Vulva, Wiederkehr, zyklisches Weltbild, “Thing”, “runder Tisch” usw.) Elementen Raum im Christentum zu geben und damit diesen komischen Jesus etwas annehmbarer zu machen. Aber das ist ja egal.
Wichtiger ist mir da eher, dass es eben eine Menge Heiden gibt, die dieses Symbol verwendet haben und nun mal eben kriminalisiert werden, was ja wohl gegen die Religionsfreiheit verstößt (mal wieder, also eigentlich auch egal…)

Die Begründung, dass eine verfassungsfeindliche Organisation das Keltenkreuz auch benutzt, finde ich jedenfalls zu schwach, um daraus die Legitimation für ein Gesamtverbot abzuleiten. (Betonung auf Legitimation: die können ja Recht sprechen, so viel sie wollen, anerkennen muss ich es noch lange nicht. — Genau genommen sind von diesem Verbot ja sogar nur wir Anderen betroffen, denn diese verbotene Organisation dürfte es ja ohnehin nicht benutzen, weil sie sich ja überhaupt nicht zeigen darf)
Denn dann müsste etwa auch das christliche Kreuz verboten werden, schließlich hat es der Kukluxklan benutzt (von alten und neuen Kreuzzügen mal ganz zu schweigen). T-Shirts mit Obamas Kopf drauf müssten auch verboten werden, schließlich spuckte der im Wahlkampf auch schonmal nationalistischere Töne, als unsere strammsten Rechten)
Meine Freundin trägt ständig ein anderes – und wie ich finde ähnliches – heidnisch/matriarchalisches Symbol, eine Kette mit einem Pentagram, also einem fünfzackigen Stern. Wenn jetzt morgen irgendeine verfassungsfeindliche Organisation, sagen wir lustigerweise mal die (längst aufgelösten) Stadtgermanen verboten würde, deren Symbol aber eben dieses Pentagram war, wird dann auch das Pentagram verboten?
Vielleicht als Vorschlag an eine andere verfassungsfeindliche Organisation: nehmt doch mal GELD als Symbol. Vielleicht wird dann ja irgendwann mal Geld verboten? Schwierig wird es ja jetzt auch für Leute, die sich so ein Keltenkreuz auf den Arm tätowiert haben. Nachdem es schon unter anderen auch eine Auflage auf dieser NPD-Demo, über die ich berichtet hatte, war, keine Tätowierungen mit einem Totenkopf tragen zu dürfen (okay, solange der am Arm ist, kann man das Hemd ja lang tragen), was soll dann ein Mensch machen, der sich etwa ein Keltenkreuz auf die Wange tätowiert hat? Darf der dann gar nicht mehr auf Demos? Oder darf/muss der gegen das Vermummungsverbot verstoßen?