Was du heute kannst besorgen…
Wer nicht warten kann, muss oft länger warten…
Unter den Autoren des von hunderten amerikanischen Ökonomen unterzeichneten Aufruf gegen den Bail-Out-Plan befanden sich auch Ernesto Reuben, Paola Sapienza und Luigi Zingales.
Letzterer hatte bereits am 21. September ein kurzes interessantes Essay verfasst: Why Paulson is wrong.
Auf meine Nachfrage bestätigte Zingales heute übrigens, dass der abgewandelte und inzwischen von Bush unterzeichnete Bail-Out-Plan zwar einige Verbesserungen enthielte, aber immer noch falsch wäre.
Und weil diese Leute m.M.n. nicht so viel Stuss labern, wie zum Beispiel der Republikaner Zach Wamp, der zunächst gegen den Plan gestimmt hat, nun aber dafür, weil er ja keine andere Wahl habe, schließlich sei sogar schon das Benzin in Tennessee knapp (was zwar mehr mit dem Unwetter als der Finanzkrise zu tun hat, aber egal)
habe ich mal geguckt, was die sonst so schreiben und fand diesen Artikel recht interessant. Danach gibt es einen Zusammenhang zwischen Ungeduld und Aufschieberitis. Das meint, dass Leute, die nicht warten können, oft länger warten warten müssen. In einem Versuch wurden Studenten, die Anspruch auf einen Zahl-Scheck hatten, gefragt, ob sie vielleicht zwei Wochen warten könnten oder ihn unbedingt sofort haben müssten. Dann stellte sich heraus, dass die, die nicht warten konnten, ihn dann aber signifikant später einlösten, als die Geduldigeren. Ich würde mal sagen: klar, es ist die Frustrationstoleranz, die Bereitschaft/Fähigkeit sich auf Schmerzen einzulassen. Die Vorstellung zwei Wochen auf etwas zu warten ist so ein Schmerz. Aber die Vorstellung sich von der Couch zu erheben, zur Bank zu gehen und einen Scheck einzulösen, ist ebenso schmerzhaft. Jetzt ist also wissenschaftlich belegt, was mir schonmal ein Mitarbeiter einer Kundendienstabteilung als seine persönliche Erfahrung erzählt hatte. Er meinte, dass die Leute, die ständig anrufen, wann denn das kaputte Gerät endlich fertig wäre, dann genau die wären, die sich mit dem Abholen Zeit lassen. Er meinte damit übrigens nicht mich. Doch vor zehn Jahren oder so hätte er damit genau mich voll erwischt ![]()
4. Oktober 2008 um 20:34
Wobei das mit der Frustationstoleranz und dem nicht warten können nicht nur die Personen/Organisationen betrifft, die den Bail-Out bekommen, sondern den Finanzmarkt im Allgemeinen. Dieser Bail-Out ist vor allem Psychologie ( die Summe ist eh viel zu gering, die konservativsten Schätzungen gehen von 5-Billionen Dollar aus die mind. gebraucht würden ). Es geht hier vor allem um Psychologie, denn das Finanzsystem basiert auf Vertrauen. Die Nachricht darüber, dass der Bail-Out durch ist, könnte einen viel größeren Effekt zur ” Beruhigung ” ( wogegen aber der fallenden Dow am Freitag Abend spricht ) haben als die ( viel zu geringen ) 700 - Milliarden Dollar selbst. Es sind also auch die Teilnehmer in dem System die nicht den Bailout bekommen, die nicht warten konnten .
T.H.
4. Oktober 2008 um 20:45
Hey, du hast ja einen Zusammenhang hergestellt, den ich nur ganz vage in den Raum gestellt habe…
Vertrauen hat Luigi Zingalis übrigens auch untersucht und herausgefunden, dass Menschen die eher anderen Menschen vertrauen, mit 50% mehr Wahrscheinlichkeit Aktien besitzen, als misstrauische Menschen…
Findest Du hier:
http://deutsche-boerse.com/INTERNET/EXCHANGE/zpd.nsf/PublikationenID/RJAN-6PNL8B/FILE/1585_1_06_D_Vertrauen.pdf?OpenElement
Aus irgendeinem Grund schluckt wordpress beim Link oben ein $ das musst du selbst einfügen und zwar vor dem FILE/158…… also …8B/$FILE/158…. usw.
4. Oktober 2008 um 22:54
Tja, dass sind die Leute die den wirklich gerissenen Spekulanten und ” Investoren ” ihr Einkommen besorgen, wenn Sie z.B. trotzt( oder gerade wegen ) Super-Blase weiter in Blasen-Aktien investieren. Wer da wirklich Geld machen will muss sich wirklich auskennen und nicht einfach ” vertrauen “. Vertrauen dann eher in das wo die Masse nicht vertraut. An der Börse immer das Gegenteil was die Masse macht machen, da braucht man aber auch eine Menge Vertrauen wenn man versucht ” fallende Messer ” aufzufangen, wenn diese trotzt massive fundamentaler Unterbewertung weiter fallen. Da brauch man wohl viel sog. Selbstvertrauen aber nicht die in Andere ( außer in die wenigen Vorbilder wie Andre Kostolany ), denn die würden ja meist empfehlen zu verkaufen bzw. die Finger von solchen Aktien zu lassen. Ein Dilemmer was sicher ” Ich-Ideologen ” an der Börse gewinnen lässt.
Einem Bankberater sollte man. M.E. bei Finanzen gerade nicht vertrauen.
T.H.
5. Oktober 2008 um 02:34
Irgendwie kommt mir das etwas naiv vor:
> Tja, dass sind die Leute die den wirklich gerissenen Spekulanten
> und ” Investoren ” ihr Einkommen besorgen
Wenn man sein Geld einfach nur auf der Bank liegen hat (wie es ziemlich sicher gut 95% der Misstrauischen haben wird) verschafft man den ach so bösen Spekulanten genau so ihr Einkommen, denn das Geld wird Investiert. Der einzige Unterschied zwischen dem (Spar)konto und Aktien besteht im unterschiedlichen Risiko.
> Vertrauen dann eher in das wo die Masse nicht vertraut. An
> der Börse immer das Gegenteil was die Masse macht machen,
> da braucht man aber auch eine Menge Vertrauen wenn man
> versucht ” fallende Messer ” aufzufangen
Einfach das Gegenteil der Masse machen ist keine Strategie, das ist genau so Mitläufertum mit anderem Vorzeichen. Aktien von Firmen, die wenig später Bankrott gehen, zu kaufen, ist, auch wenn die Masse es nicht macht, keine Erfolgsstrategie. Der Punkt ist, besser als die Mehrheit diejenigen zu erkennen, die eben nicht Bankrott gehen.
Und dazu braucht es nicht notwendigerweise Selbstvertrauen, schliesslich kann man ja den Gewinn einstreichen, also reicht die in letzter Zeit so unpopuläre Gier total aus.
Ich glaube, man sollte alles, was irgendwie mit Wirtschaft zusammen hängt weniger moralisch betrachten (nicht im Sinne von “man darf nicht” sondern “es bringt einen höheren Erkenntisgewinn”).
Das Verhalten der Personen im Text scheint mir eigentlich recht einfach erklärbar: einmal stehen sie vor einer Wahl, bei der eine Alternative (bei einer bestimmten Geisteshaltung) klar die bessere ist:
Das Geld sofort haben zu können ist in keiner Hinsicht schlechter als das Geld erst später haben zu können. Warum sollte man also nicht “sofort” wählen?
Danach stehen sie vor der Wahl eine Aktion durchzuführen, die mit Kosten verbunden ist (dem persönlichen Aufwand), aber zunächst mit keinem Gewinn (der Scheck ist soviel Wert wie das Geld was man für ihn bekommt). Warum sollte man sie also durchführen? Wenn es muss, kann man es immer noch machen (im Gegensatz zur ersten Wahl, sein Wort zurücknehmen hat recht hohe Kosten).
Wenn man denn moralisch sein will, kann man das natürlich Faul und Ungeduldig nennen. Interessanter finde ich, dass dies eigentlich ein Musterbeispiel für das Konzept der Opportunitätskosten ist, und dafür, dass eben nicht nur ein ferner Superbösewicht an einer Börse ein Homo Oekonomicus sein kann.
5. Oktober 2008 um 14:42
Sicher ist das nur ne Vereinfachung, das war etwas provokativ übertrieben.
Ich habe auch nicht gesagt, dass erfolgreiche Spekulanten Bösewichte sind. Diese sind zur Zeit eher Sündenböcke, denn das Problem sind nicht die Börsenspekulanten die mit Aktien spekulieren sondern das Geldsystem mit der Geldschöpfung aus Schulden incl. Zinseszins. Und natürlich das Problem der Derivate. Die Leute die sowas erfunden haben die sind mitverantwortlich.
Als ich mich vor Jahren mal etwas mit Börse beschäftigt habe kamen mir Optionen und Optionsscheine nicht ganz geheuer vor. Nun, wo ich den Begriff Derivate kennengelernt habe weiß ich, dass mein Gespür richtig lag.
Aktien jedenfalls sind völlig unschuldig, denn da kann man Gewinnen oder eben genauso stark verlieren.
T.H.
5. Oktober 2008 um 16:53
Ich glaube, auch Derivaten oder dem Geldsystem die Schuld zu geben ist zu einfach. Optionsscheine sind wie Aktien auch nichts anderes als Versicherungen oder Glücksspiel. Das gleiche mit Zinsen (die sind auch nichts anderes als ein Vertrag, dass man jetzt wenig bekommt und später dafür mehr zahlt) oder Geld (das ist wie Gold, Edelsteine oder Gemälden ein weiteres nutzloses und knappes Gut, von dem die Besitzer hoffen, dass man es auch in Zukunft gut tauschen kann).
Das ganze ergibt sich einigermaßen Notwendig aus recht simplen Konzepten wie Vertragsfreiheit und Privateigentum.
5. Oktober 2008 um 19:51
Aha, durch die Versicherung durch Put-Optionsscheinen bei Aktien zieht das Spiel Gewinner und Verlierer nicht mehr . Bei Call und Put-Optionen aber dürfte der absolute Gewinn bei der Gewinnerseite durch den Hebel absolut viel höher sein als der Verlust auf der Verlust-Seite.
Alleine die 4 größten US-Banken haben Derivate von ca 300-Billionen Dollar! Das sind pro US-Amerikaner ca. 1-Million Dollar. Völlig absurd, das kann gar nicht gedeckt sein. Das ist wie ein Kettenbrief, das sind Versprechen die nicht eingelöst werden können, die aber rechtlich gültig sind. Ich weiß z.B.dass es beim short-selling auch sog. ” Naked-Short-Selling” gibt, also Leerverkäufe ohne die entsp. ” Spieleinlagen “. Ich denke, dass es bei anderen Derivaten ähnlich läuft.
Hier mal ein sehr guter Film über unser Geldsystem , wahrscheinlich würd die da klar, warum dieses so etwas wie die Suprimekrise erzwingt und das System irgendwann zusammenbrechen MUSS ! :
http://video.google.de/videoplay?docid=6433985877267580603
Ja sicher sind Zinsen ein Vertrag, nur woher soll das zusätzliche Geld dafür kommen ? Aus weiteren Krediten natürlich, denn ohne Schulden gibt es in unserem System kein Geld, Geld IST Schuld, das wissen aber nur ganz wenige Leute.
T.H.
6. Oktober 2008 um 17:21
@keppla:
Bei “weniger” stimme ich dir zu. Die Chance wäre, dass dann die alte Aufteilung der Rollen zwischen den scheinbar unmoralischen Eliten und den scheinbar moralischen Eckenstehern etwas aufweichen würde. Aber ich hab es gestern erst versucht, zufällig waren gleichzeitig mein “armer” Vater und meine wohlhabende Exfrau da. Ergebnis: Meine Exfrau behauptete hinterherher, ich wäre neidisch auf die Reichen und mein Vater, ich wäre ein Freund der Kapitalisten
Hier wird die Vesuchsanordnung nicht genau genug erklärt, finde ich. Wenn mich jemand fragt, ob ich noch zwei Wochen auf einen Scheck, der mit zusteht, warten könne, dann vermute ich (als listiger Homoökonomikus i.S.v. Adorno) ja, dass der andere da ein Interesse dran hat, dass ich warte. Ich könnte also auf mein Konto mindestens “Gefälligkeit erwiesen” im Haben buchen für Folgegeschäfte — allerdings gilt dies nur für einen Markt, der noch Respekt kennt, d.h. in dem sich die Teilnehmer nicht jedesmal wie Unbekannte neu treffen.
Natürlich stimme ich dir voll zu, dass es lächerlich ist, die Leute an der Börse, als Supberbösewichte zu sehen. Und ich würde auch nicht moralisch faul/fleißig unterscheiden wollen. Aber: ich glaube, dass Bedürfnisorientierung grundsätzlich gegen unsere Bedürfnisse verstößt
Deshalb spreche ich im Text von der Bereitschaft, sich auf Schmerzen einzulassen und meine dies als eine Form von Lebenskunst, eine Art Askese, die Lust praktisch im Vorübergehen einstreicht.
13. Oktober 2008 um 01:16
Erstmal Thors Hammer:
> Ja sicher sind Zinsen ein Vertrag, nur woher soll das zusätzliche
> Geld dafür kommen ?
Hier ist kein Unterschied zwischen einem System mit (Fiat)Geld oder ohne: Ob ich das, was ich leisten kann, aufbringen kann, kann ich nie wissen, egal ob es Geld oder Korn ist. Und dass die Strafe für nichtgezahlte Schulden Sklaverei ist ist auch nicht gerade eine neue Erfindung.
> Hier mal ein sehr guter Film über unser Geldsystem ,
> wahrscheinlich würd die da klar, warum dieses so etwas wie
> Suprimekrise erzwingt und das System irgendwann
> zusammenbrechen MUSS
Ich muss sagen, ich finde den Film ziemlich schlecht. Erstens mag ich diese “Powerpointkultur” nicht (ich bin in der Lage, Texte zu lesen), weiterhin ist es ziemlich Polemisch, und sehr ungenau und teilweise Falsch (oder sehr USA-spezifisch).
Ausserdem erzählt er mir nichts neues, da wo er nicht falsch liegt.
> Aus weiteren Krediten natürlich, denn ohne
> Schulden gibt es in unserem System kein Geld, Geld IST Schuld, das
> wissen aber nur ganz wenige Leute.
Weil es für die meisten belange vollkommen egal ist. Sofern man nicht gerade ein Volkswirtschaftler ist, ist Geld tatsächlich einfach nur ein praktisches Tauschgut, und ebenso ausgedacht oder real wie ein Gemälde oder eine Besitzurkunde eines Gemäldes.
Du bist nicht gezwungen, einen Kredit aufzunehmen. Jedes Geld, was du bekommst, kannst du sofort in etwas umtauschen, was dir lieber ist. Allein durch die Existenz eines Geldsystems hat keiner Macht über dich.
Und darauf wollte ich hinaus: die eigenschaften des Geldsystems, die dich zu stören scheinen, sind deutlich tiefer angesiedelt, und deutlich abstrakter als in so spezifische Dinge wie Zinsen oder Optionsscheine.
Nun zu KHeck
> Meine Exfrau behauptete hinterherher, ich wäre neidisch
> auf die Reichen und mein Vater, ich wäre ein Freund der Kapitalisten
jup, das kenn ich
Von den “Linken” werde ich meist für einen kinderfressenden Kapitalisten gehalten, wenn ich sage, dass ich gegen Jobs für alle bin, von den “Kapitalisten” für einen Schmarotzer wenn ich pro Grundeinkommen argumentiere. Ist nicht leicht, morallos zu sein.
> Hier wird die Vesuchsanordnung nicht genau genug erklärt, finde ich.
Ja, da stimme ich zu.
> Wenn mich jemand fragt, ob ich noch zwei Wochen auf einen Scheck,
> der mit zusteht, warten könne, dann vermute ich (als listiger
> Homoökonomikus i.S.v. Adorno) ja, dass der andere da ein Interesse
> dran hat, dass ich warte. Ich könnte also auf mein
> Kontomindestens“Gefälligkeit erwiesen” im Haben buchen
> für Folgegeschäfte — allerdings gilt dies nur für einen Markt, der
> noch Respekt kennt, d.h. in dem sich die Teilnehmer nicht jedesmal
> wie Unbekannte neu treffen.
Diesen Respekt halte ich in den meisten Fällen eher für die getarnte Angst eines Homo Oekonomikus. Wieviele Menschen achten wirklich aus Respekt vor dem Gegenüber auf ihr “Gefälligkeitskonto” und wieviele nur aus Angst vor den Sozialen folgen?
In kleinen Gemeinschaften ist der Ruf ein sehr wichtiges Kapital, da ist das Mal der Unehrlichkeit hundert mal schlimmer als jede gesetzliche Strafe, alle größeren Gesellschaften haben Konzepte wie Verträge, Zinsen oder Gewinnbeteiligungen erfunden, scheinen das Problem also seit Ewigkeiten zu bekämpfen. Ich glaube, das “Noch” in deinem Satz romantisiert etwas.
> Deshalb spreche ich im Text von der Bereitschaft, sich auf
> Schmerzen einzulassen und meine dies als eine Form von
> Lebenskunst, eine Art Askese, die Lust praktisch im
> Vorübergehen einstreicht.
Eignet sich dafür sowas eher Lästiges als Schmerzhaftes wie das Geld später zu bekommen denn? Ich kann verstehen, dass man aus Hungern, Verletzungen, Schlafentzug, Überarbeitung etc etwas ziehen kann, aber kaum aus Jucken oder “nur 2 statt 3 würfel Zucker im Kaffee”, und in dieser Kategorie scheint mir das zu liegen.
13. Oktober 2008 um 19:31
Hallo keppla:
“Respekt” verwende ich meist nicht moralisch, sondern eher im Sinn von Gedächtnis haben und einbringen. Bei dem “noch” habe ich zwei Erlebnisse im Kopf gehabt, die beide eher nachteilig waren. Im einen Fall versuchten wir in der Stadt (Bückeburg), in der ich damals wohnte, das einzige geile Grundstück zu ergattern für ein Altenheim. Eigentümer war ein Hamburger Geschäftsmann, vorher die Stadt. Ich hatte ja ein paar Insiderinfos. Also rief ich den an und er meinte, er habe einem potenziellen Interessenten 4 Wochen Bedenkzeit gegeben. Da es über diese Bedenkzeit keine schriftliche Vereinbarung und auch keine vereinbarten Sanktionen bei Nichteinhaltung gab, schlug ich einen besseren Preis vor. Aber er winkte auch bei einem noch besseren Angebot ab: “Wir Hanseaten halten uns an unsere Aussagen” meinte er. Das fand ich sympathisch und — hanseatisch.
Im anderen Fall erhielt ich, damals Unternehmer-Geschäftsführer einen Anruf mit der Nachfrage, ob ich eine große Kiste Laminierfolie bestellen wollte. Ich lehnte ab. Vier Wochen später kam die Folie und nach langem Hin und her und Gespräch mit meinem Anwalt kam raus: Als GF galt mein gesprochenes Wort, während der Anrufer, ein Callcenter, ja nur Angestellter war und damit der “stärkere” Zeuge. Mein Anwalt meinte, ihm hätte man auf die gleiche Weise schonmal Wein angedreht. Ich würde einen Prozess voraussichtlich verlieren. Geschäfte per Handschlag oder nur wörtlich nehmen sicher auch unter Vollkaufleuten immer mehr ab und werden durch undurchsichtige Verträge abgelöst. In so fern war mein “noch” auf konkrete Geschichte(n) bezogen, aber nach der langen Rechtfertigung: hoffnungslos romantisch bin ich auch noch, das stimmt.
Zum Geld später bekommen: es hat mich vor ein paar Jahren noch richtig gestresst, mir etwas bei Amazon oder Ebay zu bestellen, weil man da ja warten muss, bis es geliefert wird oder hab bei irgendwelchen Möbeln oder dem neuen Fernseher auf Teufel komm raus versucht, das Ausstellungsstück zu bekommen und den Verkäufern dann meinetwegen erzählt, dass Ende der Woche wichtige Gäste kämen und ich deshalb die neue Couch sofort bräuchte und nicht auf die Fabriklieferung warten könne usw usw. Mein GEFÜHL bei solchen Dingen wäre das gleiche gewesen, wie bei der Scheckfrage. Heute bestelle ich sogar lieber, als es im Laden mitzunehmen und niemals würde ich für AmazonExpress mehr Geld zahlen, weil das Warten doch so schön schmerzhaft ist. Früher habe ich auch Verpackungen aufgerissen, etwa beim neuen Computer. Heute (na gut, Apple…) lasse ich mir richtig Zeit, lese sogar die Schnellstartanleitung, bevor ich das Teil anwerfe usw. — Ich sehe hier wirklich eine gegensätzliche Herangehensweise, als es die Bedürfnisorientierung ist, die ja nicht nur für Buddhisten der Hauptgrund ist, warum das Leben unwert sei (weil ja jede Befriedigung wieder nur Schmerz nach sich zieht). Keine Ahnung, vielleicht liegts ja auch am Alter, seit ein paar Jahren schlafe ich auch nach Orgasmen nicht mehr ein ;-), sie sind nicht mehr der kleine Tod.
17. Oktober 2008 um 01:46
@ Keppla, ich glaube Du hast das Problem immer noch nicht begriffen : Es geht hier nicht darum, dass es überhaupt Zinsen gibt, oder dass die Strafe von nichtbezahlten Schulden Sklaverei ist, sondern darum dass es gar kein Geld ohne Schulden gibt. In einen System mit Korn ist das Korn ja schon da. Der Kornverleiher kann nur Korn verleihen was er hat. In unserem Geldsystem verleihen die Banken aber Geld dass Sie NICHT haben. Sie erfinden einfach Geld durch Kreditverträge. Das System ist ja so aufgebaut, dass die Schulden ( insgesamt ) gar nicht zurückgezahlt werden DÜRFEN weil sonst das dazu erfundene Geld gleich mitvernichtet wird, das ist beim Korn auch nicht der Fall.
Durch den Zins muss aber mehr Geld ins System kommen als vorher da war. Geld kommt aber nur durch Kredite in Umlauf. Durch den Zinseszinseffekt ist wiederum exponentielles Wachstum vonnöten, was aber aber auf Dauer nicht gehen kann, vorher erzwingt es Ausbeutung u.A. der 3. Welt und Mutter Erde. Das meine ich mit Slaverei.
Dann meine ich nicht, dass man um Zinsen völlig herum kommt. Nur, sollten Geldverleiher nur Geld verleihen das diese haben und es solche Veträger müssten zu begrenzt sein, dass es zu keiner Zinseszinfalle kommt. Z.B. ist nicht einzusehen, warum in einer Ratenzahlung der Preis nicht höher ist als bei Sofortzahlung. Nur darf es nicht so weit kommen, dass im Falle einer Zahlungsungfähigkeit die Schulden des Schuldners dadurch exponentiell steigen.
Zum Film : Das ist KEIN speziell amerikanisches Problem ( obwohl die Fed dieses System 1913 eingeführt hat ), sondern eines aller bekannten Währungen.
Wenn Dir dieser zu verschwörungstheoretisch anmutet hier mal ein offener Brief eines bekannten Börsenreporters an Frau Merkel, der die Kernaussagen dieses Films bestätigt :
http://www.teleboerse.de/1033237.html
In den USA ist ja z.B. so, dass man zum Schuldenmachen defakto gezwungen wird. Dort bezahlt man das meiste mit Kreditkarte, ja man gilt glatt als Penner wenn man Bar bezahlt. Man soll manchmal dort gar nicht drum rum kommen. Nur bekommt man keine Kreditkarte dort wenn man noch keine Schulden hat oder hatte, nennt sich Kredithistorie. Hier scheint das Schuldenmachen forciert worden zu sein, weil es wichtig für den Systemerhalt war ! Genauso mit den Subrimekrediten. Das war nicht einfach nur Gier. Es wurde in den 1970ern sogar ein Gesetz erlassen, was die Banken zum Geben von ” faulen ” Hypokrediten an ” Habenichtse ” verpflichtet hat und das in den liberal-kapitalistischen USA !?! Dort wo eine Einmischung des Staates in die Wirtschaft sonst aus ideolog. Gründen vehement abgelehnt wurde. Das muss man sich mal reinziehen ! Eine immer größerer Ausweitung der Schulden war/ist überlebenswichtig für das System !
T.H.
18. Oktober 2008 um 18:01
@thors hammer
zunächst hab ich wohl etwas unklar ausgedrückt
> Zum Film : Das ist KEIN speziell amerikanisches Problem
Ich meinte damit nicht, dass Amerika ein Grundsätzlich anderes Geldsystem als Europa hat. Ich meinte lediglich, dass einige spezielle Behaptungen etweder komplett falsch (sie gelten weder für die EZB, noch die FED) oder Amerikaspezifisch (sie gelten nur für die FED, was ich nicht weis, weil ich mich mit der nicht sonderlich auskenne) sind.
> In unserem Geldsystem verleihen die Banken aber Geld dass
> Sie NICHT haben.
Das stimmt so nicht, deshalb hab ich das Video auch als ungenau kritisiert. Alle ausgegebenen Kredite kommen ursprünglich von der Zentralbank, bei uns die EZB, in den USA das etwas wirre Gebilde FED.
Die Zentralbank “hat” tatsächlich das Geld, weil sie es eben erfindet. Ich hatte das versucht mit der Analogie zu den Gemälden (Banknoten) oder den Besitzurkunden über (Aufträge für) Gemälde (Kontogeld) zu verdeutlichen, die ebenso fiktiv oder real wie Geld sind. “Ausgedacht” wiederspricht nicht dem “Haben”, denn Haben ist ebenso etwas ausgedachtes (Juristen machen da recht lustige Unterschiede zwischen Besitz und Eigentum, und Verfügungs- und Verpflichtungsverträgen).
Wenn ich auf die Idee komme, auf Papier “1 Kepplataler” zu schreiben, und den zu tauschen hat mein Tauschpartner durchaus einen Kepplataler. Wenn ich ihm einen formlosen Zettel schreibe “ich schulde dir einen Kepplataler” dann “hat” er, nach deutschem Recht, den Anspruch auf einen Kepplataler. Wenn jemand anderes das macht, so betreibt er, auch nach deutschem Recht, Urkundenfälschung.
Der Unterschied zwischen mir und der EZB ist hauptsächlich, dass niemand darauf vertraut, dass ich nicht sofort eine Hyperinflation starte, indem ich zu viele Kepplataler erfinde. Sollte die EZB auf die Idee kommen, die Geldmenge um mehr als ~5% pro Jahr zu steigern (das ist, glaube ich, die aktuelle Quote) könnte es durchaus sein, dass meine Kepplataler ein interessanteres Tauschgut als € werden, wenn die Menschen darauf vertrauen, dass ich weise Handeln würde (wovon ich stark abrate).
Also, die EZB erfindet die €, und die (normalen) Banken nehmen sich einen Kredit bei der Zentralbank über diese erfundenen Euro, von dem sie eine gewisse Menge als Einlage nicht verleihen dürfen (wieder eine Ungenauigkeit oder USA-spezifität des Videos, was nur die Einlage, aber nicht den Kredit erwähnt hat). Die Banken schulden der Zentralbank.
Es stimmt nun natürlich, dass, wenn nur ein Kredit ausgegeben wird, zuwenig Geld da ist, um ihn zurückzuzahlen. Aber es wird nicht nur ein kredit ausgegeben, es werden regelmäßig immer größere kredite ausgegeben, die (um ein paar ecken herum) die vorherigen bezahlen.
Und auch hier ist das Video und dein neuer Link inkonsequent: erst kritisiert man, dass das Geld völlig fiktiv und ausgedacht ist (was stimmt), dass dem Erfinden von Geld keine oberen Grenzen gesetzt sind (was stimmt), und dann sagt es, dass es zu einem Kollaps führt, weil man sich ja irgendwann nicht mehr Geld ausdenken kann. Doch, kann man, die Exponentielle Rate, in der man sich immer mehr Geld ausdenkt, ist im Endeffekt die Inflation.
> Durch den Zinseszinseffekt ist wiederum exponentielles
> Wachstum vonnöten
Da das Geld keinen verpflichtenden physischen Gegenwert hat, ist lediglich ein exponentielles Geldmengenwachstum vonnöten.
Dazu ein etwas vereinfachtest Beispiel: es gibt die Zentralbank, dich und mich. Ich und du vegitieren einfach nur herum, und leben von licht und Luft. Die Bank gibt Kredite zu 100% Zinsen aus.
Ich leih mir heute einen Taler, schulde der Bank also 2. Morgen leihst du dir 2 Taler, Schuldest der Bank also 4. Ich leih mir die (Vereinfachung: zu 0%, geht aber auch mit >0%), und zahl meine Schulden ab. Da ich ja nun Schuldenfrei bin, kann ich mir auch wieder 4 Taler leihen, und der Bank 8 Schulden. Du bekommst von mit die 4 Taler, etc.
Das einzige, was hier wächst, ist die Geldmenge, die im Umlauf ist (nach 10 Tagen 1024 Taler). Und da das Geld keine garantierten Gegenwert hat führt das lediglich dazu, dass jemand am ersten Tag 1 Taler ne ganze Menge einkaufen könnte, am 10. Tage jedoch nicht mehr. Und so, wie das Geld (pro Einheit) immer wertloser wird, werden die Schulden auch immer wertloser.
Und die höhere Geldmenge ändert nichs daran, dass wir von Licht und Luft leben und wir brav unser kleines Zimmer in Mutter Erdes Wohnung haben.
> Das System ist ja so aufgebaut, dass die Schulden ( insgesamt )
> gar nicht zurückgezahlt werden DÜRFEN weil sonst das dazu
> erfundene Geld gleich mitvernichtet wird
Man darf durchaus seine Schulden zurückzahlen. Das wird sogar ziemlich Brutal erzwungen. Könntest du das erläutern?
> Dann meine ich nicht, dass man um Zinsen völlig herum kommt
Wo kommst du nicht um sie herum? Hast du dir schonmal einen Kredit aufnehmen müssen? wenn ja, warum?
Als “normaler” Mensch arbeitest du für Geld, was du, wenn es dir unsympatisch ist, sofort gegen Gold, Lasagne, Gras oder Nutten umtauschen kannst. Die Zinseigenschaften des Geldes spielen da keine Rolle, es ist einfach nur ein begehrtes, knappes, transportables Gut, und deshalb ein praktisches Tauschmittel, so wie einmal Gold, Münzgeld oder Schuldscheine vom König waren.
Im Gegenteil, wenn du dein Geld auf ein typisches Girokonto tust, NIMMST du sogar einen (absolut unsignifikaten) Satz Zinsen VON DER BANK.
> Nur bekommt man keine Kreditkarte dort wenn man noch keine
> Schulden hat oder hatte, nennt sich Kredithistorie
Das dürfte so falsch sein. Ich glaube, das ist eher ein Missverständnis: sobald man eine Kreditkarte hast, macht man automatsch Schulden, denn es ist ja eine _Kredit_karte: Das Kreditunternehmen zahlt deine Rechnung und am Ende des Monats rechnen sie ab. Das ist allerdings nichts anderes als eine spezielle Form der von dir als legitm erachteten Ratenzahlung.
> wurde in den 1970ern sogar ein Gesetz erlassen, was die
> Banken zum Geben von ” faulen ” Hypokrediten an ” Habenichtse ”
> verpflichtet hat und das in den liberal-kapitalistischen USA !?!
> Dort wo eine Einmischung des Staates in die Wirtschaft sonst
> aus ideolog. Gründen vehement abgelehnt wurde
Erstmal sind die USA, zumindest aus der sicht der Liberalen nicht Liberal im wirtschaftlichen Sinne, der Staat mischt sich ziemlich oft ein. Das sieht man sehr schön in dem Spruch, der jetzt wegen dem Bailout-Plan gesagt wurde: “wir müssen den Kapitalismus vor der Kapitalisten retten”.
Die Verpflichtung dürfte imho eher daran liegen, wass “Hypokredite” in den USA sind: dort wohnt man selten zur Miete, sondern kauft sich eine Wohnung von einem Kredit bei der Bank, für den man als Sicherheit die Wohnung angibt. Der Zwang an Banken, Hypotheken an Habenichtse zu vergeben ist nichts großartig anderes als Sozialwohnungsbau in Deutschland, also etwas, was man eher zu “Crowd Control” als zu “Altruismus” rechnen kann.
> Dann meine ich nicht, dass man um Zinsen völlig herum kommt.
> Nur, sollten Geldverleiher nur Geld verleihen das diese haben und
> es solche Veträger müssten zu begrenzt sein, dass es zu
> keiner Zinseszinfalle kommt
Das ist bereits der Fall. Die EZB verleiht das Ausgedachte Geld, was sie hat, so wie ich meine Kepplataler habe. Die Banken verleihen das Geld, was sie tatsächlich haben, sie haben es sich von der EZB geliehen. Verträge sind bis zu einem gewissen Grad begrenzt, bei Gesellschaften wie der AG, GmbH oder der Limited durch die Einlage, zu der sie haften, im Privatmenschenbereich durch die Privatinsolvenz und die Restschuldbefreiung.
Übrigens wurde der Wichtigste Bereich, wo auch kein Schutz implementiert ist, im Video falsch dargestellt.
Wenn mehr oder weniger schon all das umgesetzt ist, was du vorschlägst, warum ist die Situation also immer noch so, wie sie ist?
DESHALB meinte ich, das Problem liegt deutlich tiefer, Zinsen und Geld sind lediglich Ausprägungen davon.
18. Oktober 2008 um 18:47
@ keppla:
> Nur bekommt man keine Kreditkarte dort wenn man noch keine
> Schulden hat oder hatte, nennt sich Kredithistorie
Das dürfte so falsch sein.
Das ist sicher “falsch”, aber es stimmt, soweit ich weiß. Als neuer Ami-Bürger etwa (das hat mir ein Bekannter erzählt und es stand mal so in einem STERN-Artikel) bekamst du erstmal nicht so leicht einen Kredit. Aber sobald du Schulden hattest, wurdest du mit Kreditangeboten überhäuft. Es war (oder ist) wohl wirklich so verrückt: Schulden haben war sowas wie bei uns eine gute SCHUFA-Auskunft.
Naja. Warum sollten die Amis ihre Makro-Ideologie, nach der sie ihre Wirtschaft umso erfolgreicher beurteilten, je mehr sie konsumiert hatten (auch wenn das Geld dafür nicht aus Inlands-Produktion, sondern aus China oder auch von uns stammte) nicht auch im Kleinen anwenden.
18. Oktober 2008 um 22:53
@ Keppla, Das mit den Zentralbanken wusste ich, nur kommt das aufs gleiche hinaus, wenn es letztendlich die Zentralbank ist die für einen Kredit Geld erfindet.
Dass Inflation den Zwang zum Wachtum dämpft ist mir auch klar, nur gibt kaum eine bei dauerhaft effektiven 0-Zinsen kaum jemand Kredite, weil es sich nicht rentiert, womit dann doch wieder exponentielles Wachtum nötig ist. Durch diese Inflation und minicrashs überlebt so ein System länger , das ist sicher richtig. Selbst wenn so ein System durch entsprechende Inflationierung dauerhaft überleben könnte, die Fädenzieher dahinter ( die Zentralbanken ) haben somit das Schicksal ihrer Nationen in der Hand und können damit unglaubliche Macht ausüben. Du sagt ja selbst, dass die Fed eine wirre Konstruktion ist, diese besteht nämlich aus einen Dutzend Privatbanken.
Zu der Kredithistorie : Das ist mir aus 3 unterschiedlichen Quellen bekannt , auch von einem Bekannten von Bekannten die jemand kennen der in den USA lebt, der bekam keine Kreditkarte weil der keine Schulden hatte, nachdem er erst einmal Schulden gemacht hat, bekam er Monate später dann die gewünschte Kreditkarte nachdem er die Schulden und das Abzahlen nachwies.
Hier noch ein 3. link zu unserem Geldsystem, er ist im Vergleich zum Film sehr ausführlich und ist ein Vortrag von Nicolas Hofer von infokrieg.tv am ” Zeitgeist-Tag ” :
http://video.google.com/videoplay?docid=1218626257944570167
19. Oktober 2008 um 14:38
@Kheck
> > Das dürfte so falsch sein.
> Das ist sicher “falsch”, aber es stimmt, soweit ich weiß.
Ok, danke für die Information, und das Wortspiel.
Ich bemühe mich meistens, “falsch” und “richtig” so zu benutzen, wie es meine Zunft aus pragmatischen Gründen tut: so, dass eine Maschine damit was anfangen kann
Dementsprechend, @thors hammer
> Zu der Kredithistorie [...]
Ok, das ändert aber nichts daran, dass du nicht zu (echten) Schulden gezwungen wirst, denn wenn du einen Kredit nimmst, abzahlst und dadurch deine (im Grunde auch überflüssige) Kreditkarte bekommst ist das dann auch kein größeres Hindernis oder Versklavung als eine einmalige Einrichtungsgebühr.
> @ Keppla, Das mit den Zentralbanken wusste ich, nur kommt
> das aufs gleiche hinaus, wenn es letztendlich die Zentralbank
> ist die für einen Kredit Geld erfindet.
Nein, imho nicht. Die Zentralbank bereichert sich nicht an den eingestrichenen Zinsen, sie zahlt nicht ihre Rechnungen mit den Zinsgewinnen, das Geld verschwindet dahin, wo es herkommt: im nichts.
Das Video hat es so dargestellt, dass diejenigen, die das Geld erfinden, sich daran bereichern. Das mag bei dem etwas undurchsichtigen FED-system der Fall sein, es ist aber keine Fiat-Money-inhärente Eigenschaft.
Etwas abstrakter formuliert ist Bereicherung durch Zinsen nur eine spezielle Ausprägung davon, dass Monopol des Privateigentums zur Privateigentumsvermehrung ohne Wertschöpfung zu nutzen.
Und das trifft eben nicht auf die Zentralbank zu, aber z.B. sehr wohl auf die alte Dame, die die Wohnung ihrer Ausgezogenen Tochter vermietet. Wie gesagt, ich glaube, das ganze liegt etwas tiefer.
@thors hammer
> Dass Inflation den Zwang zum Wachtum dämpft ist mir auch klar,
Das habe ich nirgendwo gesagt. Ich habe gesagt, dass es lediglich einen zwang zur Inflation, nicht zum Wachstum gibt.
> nur gibt kaum eine bei dauerhaft effektiven 0-Zinsen kaum
> jemand Kredite, weil es sich nicht rentiert
Ist, wie gesagt, auch keine Voraussetzung.
> womit dann doch wieder exponentielles Wachtum nötig ist
Bitte erkläre doch mal, wo du den Zwang zum Wachstum hernimmst. Ich hatte doch schon (imho schlüssig, im Beispiel Zentralbank, du , ich) dargelegt, dass lediglich ein Zwang für immer größere Geldmengen besteht, und dass der gestillt werden kann, weil, wie du selbst sagst, das Geld fiktiv ist.
> Selbst wenn so ein System durch entsprechende Inflationierung
> dauerhaft überleben könnte, die Fädenzieher dahinter ( die
> Zentralbanken ) haben somit das Schicksal ihrer Nationen in
> der Hand und können damit unglaubliche Macht ausüben
Auch wenn ich die auch bei den Zentralbanken (zumindest bei der EZB) den Machtmissbrauch nicht so sehr sehe (die scheinen mir eher eine recht meritokratische Maschinerie als Tyrannen zu sein, aber da bin ich nicht so auf dem Laufenden), nähern wir uns einer Sache, die ich schon eher für ein etwas tieferliegendes Problem halte: Wie kann ein Staat, der sich Demokratie nennt, weiterhin eine Demokratie sein, wenn der Souverän eine so große Macht aus der Hand gibt?
Ich werde mal gucken, ob ich es hinkriege, mir das Video anzusehen, aber wie schon gesagt: ich mag videos nicht so gerne, da ist Zitieren, im Text rumspringen etc. so schwer, und tu mich dementsprechend etwas schwer mit ihnen.
19. Oktober 2008 um 19:06
@ Keppla, der Dollar ist Weltleitwährung und somit bereichern sich die FED-Leute auch an den Währungen außerhalb der USA.
Dann sage ich ja gar nicht, dass jeder einzelne zu Schulden gezwungen wird, nur dass das System eben eine Forcierung von Schuldenmachen erzwingt, damit es nicht zusammenbricht.
Was den Wachstumszwang angeht: Den kann man doch ständig von Ökonomen und Politikern hören die davon sprechen, z.B. das dieses Wachtum nötig ist und 0-Wachstum oder auch nur Wachtum unter 2% eine Rezession darstellt. Das haben Sie auch schon in besten Wirtschaftswunderzeiten erzählt. Klar, bei einen Land was nach einen Krieg wieder aufgebaut wird, ist Wachstum nötig, aber bei einem der wohlhabensten Ländern doch wohl kaum. Da ist das Zinssystem wirklich ne gute Erklärung dafür auch warum unsere Politiker so viel Staatsschulden machen mussten. Ludwig Erhard ist zurückgetreten, weil der Staat schulden machte. Davor wurde der Marshall-Kredit zurückgezahlt und danach wurde ohne Staatsschulden nur von Steuereinnahmen gewirtschaftet. Warum musste der deutsche Staat in den 80ern bei viel höhren Steuereinnahmen dann Schulden machen ?
19. Oktober 2008 um 19:11
Nachschlag: Natürlich hat sich das mit der Demokratie erledigt, deswegen auch der im ersten Film gezeigte Ausspruch von Präsident Wilson, nachdem er die USA an die Fed ” verkaufte “. Das ganze funktioniert nur, weil die Medien mitspielen und die Massen das nicht wissen. Welche US-Amerikaner weiß denn z.B. dass die Fed privat ist ?
19. Oktober 2008 um 19:46
@Thors Hammer: Oh Mann, komm mal runter!
Vieles was Du hier schreibst und “die Massen nicht wissen” kann man massenhaft im Netz finden und bei youtube wird sowas auch massenhaft angeklickt. Nimm z.B. diesen Forenthreat:
http://www.wallstreet-online.de/diskussion/1140087-1-10/das-federal-reserve-system-fed-ist-eine-eher-private-bank
Solche Diskussionen verstopfen nahezu das Netz.
Wieso hat sich “natürlich” die Demokratie erledigt? Weil am Ende eben doch die jüdische Finanzelite die Weltmacht übernimmt? Und das ist kein verdrehter Monotheismus?
Okay, ich bin gerade etwas genervt, weil auch Schiff in seinem Buch, das ich empfohlen habe, die FED anprangert, die von Anfang an die USA ins Verderben gestürzt habe. Aha. Deshalb ist USA auch (noch immer) Weltmacht geworden? Verderben stelle ich mir irgendwie anders vor. Und dass zu Wachstum auch Zusammenbruch gehört, ist ja klar. Deshalb ist Wachstum trotzdem nicht verkehrt, so wie “Werden”, also “Leben” nicht verkehrt ist; will man ewiges Sein und Sicherheit OHNE Sterben, ist man hier auf der Erde jedenfalls am falschen Platz
20. Oktober 2008 um 13:24
> @ Keppla, der Dollar ist Weltleitwährung und somit bereichern sich die
> FED-Leute auch an den Währungen außerhalb der USA.
Ich mach mir (meist) die mühe, zu erklären, warum ich eine These für gegeben halte. Könntest du dich netterweise auch hier dazu herunterlassen?
> Dann sage ich ja gar nicht, dass jeder einzelne zu Schulden
> gezwungen wird, nur dass das System eben eine Forcierung
> von Schuldenmachen erzwingt, damit es nicht zusammenbricht.
Aber wo ist dann das Problem? Wo ist das Problem, dass nach beliebig langer Zeit alles so wie bisher läuft, nur die Geldscheine eine null Mehr haben?
> Was den Wachstumszwang angeht: Den kann man doch ständig
> von Ökonomen und Politikern hören die davon sprechen, z.B. das
> dieses Wachtum nötig ist und 0-Wachstum oder auch nur Wachtum
> unter 2% eine Rezession darstellt.
Die Frage ist, welche Ziele da gerade verfolgt werden. Wenn jemand Aktien hat, ist Wachstum für ihn ganz klar “nötig”, denn sonst hat er nachher immer noch genausoviel wie vorher.
Und solange genug Menschen glauben, dass, wenn es “der Wirtschaft gutgeht” (was auch immer das konkret heissen mag) es ihnen gutgeht, ist es halt eine recht passable Allzweckbegründung, ebenso wie “[Sache einfügen] schafft Arbeitsplätze”.
> Da ist das Zinssystem wirklich ne gute Erklärung dafür auch
> warum unsere Politiker so viel Staatsschulden machen mussten.
So, das ist einer der Teile, wo das Video schlichtweg falsch ist. Der Staat ist nicht durch “Das Zinssystem” oder durch “Fiat-Money” zu Staatsschulden gezwungen. Er könnte stattdessen einfach Steuern nehmen. Aber schon bei +3% MwST bricht die Welt zusammen (auch, wenn das aufs Jahr hochgerechnet für viele nicht mal so viel wie die GEZ war).
Also, los in die süße Sklaverei, wo man bequem den als den als bösen beschipfen kann, für den man sich selber in Ketten gelegt hat und dem man die Kette um den eigenen Hals in die Hand gedrückt hat. An sein Wort muss man sich ja nur halten, wenn’s bequem ist, und man muss auch nicht aufpassen, wem man es gibt.
Der Punkt ist, dass, wenn der Staat, etwas abstrakter betrachtet bei Staatsschulden einen Vertrag macht, der anderen ermöglicht, durch das Monopol des Privateigentums, was ihnen witzigerweise noch der Staat selber garantiert, Forderungen gegenüber dem Staat zu haben, ohne dass eine wertschaffende Leistung dafür erbracht werden müsste.
Ein Staat, der solche dämlichen Verträge schliesst, wird in jedem System ausgenommen. Gäbe es kein Geld, und wäre ich der einzige Bauer mit einem Feld im Staat, und würde der Staat, anstatt mich einfach zu verpflichten, die hungernden zu füttern oder auch einfach nur klarstellen, dass er nichts unternehmen wird, wenn die hungernden sich bedienen, stattdessen anbieten, dass die armen, und ihre kinder, und deren kinder, solange für mich arbeiten müssen, wie ich sie mit dem Korn, dass im endeffekt sie selbst erarbeiten, füttere, so wäre das nichts großartig anderes.
(bevor ich hier, nachdem ich die ganze Zeit wie ein Wirtschaftler geklungen habe, anfange, wie ein Sozialist zu klingen: ich könnte jetzt auch “mich” verteidigen als denjenigen, der nicht sieht, warum er für die Unfähigkeit des Volkes zur subsistenz verantwortlich sein sollte, damit ich wie ein anarchokapitalist klinge
)
> Da ist das Zinssystem wirklich ne gute Erklärung dafür auch
> warum unsere Politiker so viel Staatsschulden machen mussten
Nein, ist es nicht. Du konntest bisher nicht mal zeigen, warum ein machtloser kleiner Mensch durch “Das System” zu Schulden gezwungen wird.
> Ludwig Erhard ist zurückgetreten, weil der Staat schulden
> machte. Davor wurde der Marshall-Kredit zurückgezahlt
> und danach wurde ohne Staatsschulden nur von Steuereinnahmen
> gewirtschaftet. Warum musste der deutsche Staat in den
> 80ern bei viel höhren Steuereinnahmen dann Schulden machen ?
Ja, warum?
21. Oktober 2008 um 12:54
@ kheck : Ich weiss, dass die Privatheit im Netz bei einschlägigen Seiten bekannt ist, nur weiss Otto-Normal auf der Staße meist nichts davon.
Zur ” jüdischen ” Finanzelite : Ich habe nicht gesagt, diese sei ausschließlich ” jüdisch “, auch wenn ich die entsprechende Dominanz nicht leugnen kann. Falls Du mir ” Antisemitismus ” unterstellen willst erinnere ich Dich über Deine Erwähnung der “Ostküste” auf Deiner alten Webseite.
Zum Monotheismus : Ich denke nicht, dass die Hochfinanz die alleinige Macht hat , aber : In vielen Romanen und Spielfilmen kommen Bösewichte vor, die alleine die ganze Welt beherrschen wollen. Dass es solche Mächte auch in Wirklichkeit gibt, daran zweifle ich nicht. Wahrscheinlich strebten/streben eine Vielzahl von Mächten danach. Wie sonst auch gibt es da dann Gewinner und Verlierer, da die Hochfinanz besonders schlau war und den richtigen ” Hebel ” belegt hat, ist diese ein Gewinner , m.E. der erfolgreichste Gewinner mit der meisten Macht.
@ Keppla, ja dass sich der Staat von Privat das Geld leiht ist natürlich die größte Dummheit. Es wäre doch sinnvoller wenn der Staat selbst das Geld heraus gibt . Bei sich selbst kann man keine Schulden haben. Kennedy hat versucht das Fed-Geldmonopol zu kappen, in dem der Staat selbst Dollars sollte herausgeben können und musste wohl deshalb sterben.
@ Keppla, hast Du beruflich mit Geld zu tun oder soetwas studiert, oder woher hast Du das genau Wissen ?
Demnach müssten ja die Freiwirtschaftler nach Gesell alle falsch liegen !
Ich glaube wir sollten hier Schluss machen, der Artikel ist schon etwas weit unten.
21. Oktober 2008 um 13:37
@ Thors Hammer: Es war nicht meine Absicht, dich des Antisemitismus zu bezichtigen, sonst hätte ich es getan. Ich finde es einfach nur langweilig, die immer gleichen Argumente in allen möglichen Foren zu wiederholen.
Die Warnung vor dem Export fauler amerikanischer Kredite wurde seit Jahren in einschlägigen Fachzeitschriften, nicht zuletzt von dem von mir zur Lektüre empfohlenen Schiff, publiziert, auch in deutschen. Schiff schreibt dazu, dass das Platzen dieser Kredite unausweichlich ist und zu einer schlimmen Rezession führen wird. Aber er fügt — schon vor zwei Jahren — hinzu: Schlimmer würde es sein, wenn dann die ausländischen Staatsbanken/Regierungen auch noch versuchen, diese Rezession durch Refinanzierung der dann ins Chaos stürzenden Banken zu retten. Er prognostizierte also genau, was vor wenigen Wochen eingetreten ist und warnte eindringlich vor dem, was jetzt die Staaten der Welt unternehmen.
Vor diesem Hintergrund ist die anstehende Wahl Obamas und die massive Unterstützung überall interessant. Sein Versprechen, nicht nur Amerika, sondern die ganze Welt zu ändern, sollte ernst genommen werden. Schiff stellt die Frage, was passieren wird, wenn Amerika sich quasi die Schlinge selbst um den Hals liegt und sie der Welt in Hand gibt. Einem Mc.Cain könnte man sie ja vielleicht noch wütend zuziehen. Aber dem freundlichen Veränderung versprechenden Obama? Die letzte Frage ist ein Beispiel für den Unterschied, ob man eigene Ideen einbringt oder Verschwörungstheorien, die im Netz massenhaft kursieren und wordpress gar veranlasst haben, deine Kommentare als Spam auszusortieren, nur wiederkäut. Und dass es Leute gibt, die die ganze Welt beherrschen wollen, habe ich nie bezweifelt, sondern sogar bewiesen: Ich nämlich würde das gern.
Also gibt es eine Weltverschwörung.
“Otto Normalverbraucher” liest hier sicher nicht mit. Ihm musst du hier also nichts beweisen. Nicht mehr und nicht weniger wollte ich kritisieren.
21. Oktober 2008 um 18:10
@ Keppla, hast Du beruflich mit Geld zu tun oder soetwas studiert, oder woher hast Du das genau Wissen ?
Nein, weder noch. Ich bin einfach generell an Systemen interessiert, und bin mit ein paar (teil-)Wirtschaftlern, die intelligent genug sind, VWL, und nicht lediglich BWL, interessant zu finden, befreundet, und unterhalte mich viel mit denen.
Davon ab hab ich ja in der Diskussion nirgendwo jemanden Zitiert, sondern Beispiele gegeben, man kann die also (so viel Popper sei mir hier bitte verziehen;) ) einfach widerlegen, wenn sie falsch sind.
> Demnach müssten ja die Freiwirtschaftler nach Gesell alle
> falsch liegen !
Weshalb? Ich hab mich nirgendwo speziell auf die Freiwirtschaftler bezogen, und darin, dass Zinsen nur eine Ausprägung eines tieferen Prinzips sind, scheinen die Freiwirtschaftslehre und meine Statements sich zu decken (man denke an ihre Ideen bzgl Boden oder die Begründung, warum man das Geld konstant entwerten will).