Obama und der Exzess des Opfers

Obama sieht keinen präventiven Effekt der Todesstrafe, aber geil ist sie trotzdem, irgendwie.

While the evidence tells me that the death penalty does little to deter crime, I believe there are some crimes—mass murder, the rape and murder of a child—so heinous, so beyond the pale, that the community is justified in expressing the full measure of its outrage by meting out the ultimate punishment.[1]

Wenn Obama also überzeugt ist, dass die Todesstrafe keine abschreckende Wirkung hat, er sie aber bei so verabscheuungswürdigen Verbrechen wie Massenmord, Vergewaltigung von Kindern usw. trotzdem gut heißt, dann bleibt ja eben nur, was er selbst „expressing … outrage” nennt und das heißt: das alte Fest der Rache, des Menschenopfers feiern. Das ist ein durchaus interessanter Kontrast zu manchem konservativen amerikanischen Politiker, der an der Todesstrafe festhalten will, um eben solche schrecklichen Verbrechen zu verhindern, bzw. zu reduzieren.

Es geht hier nicht darum, das Pro und Contra der Todesstrafe abzuwägen, sondern allein um den Aspekt von Strafe als Rache, also jenseits einer abschreckenden oder resozialisierenden Wirkung. In Deutschland wird das Strafrecht nur unter solchen präventiven Aspekten ausgestaltet.

Der Rachegedanke ist übrigens auch nicht dem jüdischen Konzept „Auge für Auge, Zahn für Zahn” entlehnt. Dieses ist vielmehr ein Versuch, die Rache durch  einen gerechten Ausgleich zu ersetzen.

Wenn Sie weitere Texte aus meiner Serie über Obama, dem voraussichtlich nächsten Amerikanischen Präsidenten lesen wollen, lassen Sie sich über Updates informieren.


Fußnoten:
  1. Barack Obama. The Audacity Of Hope, S. 57 f []

Ein Kommentar

  1. keppla schreibt am:

    “In Deutschland wird das Strafrecht nur unter solchen präventiven Aspekten ausgestaltet” -

    nur halte ich doch für etwas übertrieben. Natürlich spielt es eine Rolle, aber wenn man konsequent an Prävention interessiert wäre, wären Mord oder Sexualstraftaten straffrei, da gegen sie (normalerweise) keine Abschreckung hilft, wäre man an resozialisierung interessiert gäbe es nur die Strafe “Knast, bis man bereut”.
    Ich glaube eher, das Recht ist das Resultat von Generationen von Komitees und Kompromissen von Menschen mit verschiedensten Zielen.

Notizen zum Text (von mir und Gästen)