Körper Liebe Doktorspiele — Teil 3: Ungeschickt und einsam
Vier Jahre, die ich nur das Eine wollte – und nicht durfte.
In Körper Liebe Doktorspiele — Teil 1: Geht es wieder los? habe ich die Entfernung zweier Elternratgeber aus dem Angebot des Familienministeriums zum Anlass genommenn, meine Diplomarbeit ins Netz zu stellen, die sich 1981 genau mit dem Thema: Umgang der Erwachsenen mit kindlicher Sexualität beschäftigt hat.
Den Zweiten Teil: Da unten kribbelts so schön habe ich unter die Überschrift gesetzt „Meine beschnittene Kindheit”. Am Ausgangspunkt der besonders umstrittenen Aufforderung aus dem zurückgezogenen Elternratgeber, die Genitalien der Kinder beim Benennen und Streicheln nicht auszusparen, habe ich das erotische Leben meiner Kindheit beschrieben, das genau davon geprägt war, dass ich überhaupt keine Genitalien hatte. Ich habe analog zu Watzlawick den Satz aufgestellt: Man kann nicht keinen Sex mit Kindern haben und entsprechend die Körperverachtung der ich in meiner Kindheit ausgesetzt war, selbst eine Form des Sexuellen Missbrauches genannt, dem ich (und viele meiner Generation) massiv ausgesetzt war und der verstärkt wurde, durch die ständige Wiederholung meiner Mutter, die dies als Teil ihrer Aufklärung ansah, Frauen hätten grundsätzlich keinen Spaß an Sex und jede Frau, die etwas anderes behaupte würde lügen.
Dieser Teil beginnt mit einem Erlebnis, das zum ersten Mal diese Behauptung meiner Mutter entkräftete, mich aber mehr verwirrte, als befreite. Und er wird enden vor meinem Ersten Mal, mit dem sich alles änderte. Da Google den zweiten Teil wieder zensiert hat, vermutlich aufgrund der Verwendung bestimmter Worte, werde ich es in diesem Teil mal mit harmlosen Worten versuchen.
Ein kleines Mädchen spielt an sich rum
An meinem ersten Tag als Praktikant in der Kindertagesstätte wurde ich gleich mit einer mich eigentlich völlig überfordernden Frage konfrontiert. Die nette Leiterin wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte, dass ein vielleicht vierjähriges Mädchen sich häufig einfach auf den Boden legte und dann anfing zu onanieren. Allein dass sie mich um Rat fragte, ist ein Hinweis auf die allgemeine Verunsicherung in dieser Zeit.
Anfang der 70er hatten die Medien schon so viel über antiautoritäre Erziehung, Kommuneleben und freier Lieber berichtet, dass die etwa 50jährige Frau glaubte, auf das neueste Schulwissen eines 16jährigen hören zu müssen. Sie sprach nicht von einem Mädchen, das onaniert, sondern, das unten an sich rumspielt. Der beste Teil meiner Antwort, das Mädchen doch beim Onanieren einfach nicht zu stören, war vielleicht, dass ich die Tätigkeit übberhaupt aussprach, beim Namen nannte, was sie tat: onanieren.
Als ich dann selbst Zeuge wurde, wie sich dieses Mädchen auf den Boden legte, sah ich zum ersten Mal nicht nur überhaupt irgendeine erotische Handlung — die Bewegungen des Kindes, die Hand zwischen ihren Beinen, erinnerte mich sofort an meine eigene anfängliche Onanie, die ja auch ein Hin-und Her-Reiben und nicht ein Rauf und Runter Schieben war. Das Mädchen hatte die Beine weit gespreizt, die Augen starrten ins Leere und manchmal zuckte sie am ganzen Körper und stöhnte dabei. Sie war nicht etwa nackt, wir waren ja nicht in einem linken Kinderladen, sondern in einer evangelischen eher konservativen Einrichtung. Die Leiterin befolgte meinen Rat und wir stiegen einfach immer über das am Boden liegende Kind herüber, als ob da nichts besonderes passiere. Allein – die anderen Kinder folgten nicht so einfach unserer behavioristischen Nicht-Beachten=Löschen - Therapie. Sie schauten dem Mädchen zu und es kam, wie es kommen musste, sie ahmten es nach. Bald gab es ein zweites Mädchen, das regelmäßig mit gespreizten Beinen auf dem Boden lag, die Tochter der Putzfrau, die den ganzen Tag lang auch in der KiTa arbeitete, das Essen verteilte, den Abwasch machte usw. Sie lachte über die Entwicklung zunächst. Nach ein paar Wochen meinte sie aber zu mir, sie habe jetzt langsam echte Probleme. Denn ihre Tochter lege sich mittlerweile auch zuhause einfach im Wohnzimmer auf den Teppich und beginne dort, zu onanieren. Ihr mache das nichts aus, aber sie habe Angst, dass sie das auch machen würde, wenn einmal ihre Eltern zu Besuch wären, dann gäbe es sicher Ärger.
Ich wusste ja auch nicht. Aber da ich nun als der Fachmann im Umgang mit onanierenden Kindern galt, musste ich mir etwas einfallen lassen. So fing ich an, wenn die Anstifterin sich zum Onanieren hinlegte und ich das mitbekam, sie zu fragen, ob ich ihr etwas vorlesen solle. Und überraschenderweise ging sie da gern drauf ein. Sie holte sich immer das gleiche Buch, ich glaube es hieß Mein Esel Benjamin und setzte sich auf meinen Schoß. Aber sie rutschte hin und her, fasste sich auch zwischen ihre Beine, während sie auf meinem Schoß saß. Da merkte ich zu meinem großen Schreck, dass mich dies körperlich erregte. Mein Vorhaben, sie von Erotik abzulenken, hatte also streng genommen zu einem gemeinsamen erotischen Erlebnis geführt.
Glücklicherweise kannte ich damals noch nicht einmal den Begriff Pädophilie. Sonst hätte ich womöglich neben meiner immer noch vorhandenen Sorge, ich sei womöglich homoerotisch veranlagt, jetzt auch noch geglaubt, ich wäre pädophil. Aber zu der Zeit war der böse Onkel in der allgemeinen Vorstellung und auch in meiner, immer noch der Mann, der sich mit einer Bonbontüte an Kinder heranmacht, sie dann gewaltsam entführt und zuletzt auf grausamste Weise abschlachtet. Also las ich einfach weiter Mein Esel Benjamin vor, die Leiterin schaltete den Fernseher an und die Putzfrau hatte mir erzählt, dass sie ihre Tochter aufgefordert hatte, sich nur zu streicheln, wenn keiner zusah, was diese offenbar auch befolgte und wahrscheinlich mindestens eine bessere Lösung war, als meine des verhaltenstherapeutischen Ignorierens, die ja fatalerweise das Verhalten meiner Eltern kopierte, das zum Verschwinden meiner Genitalien geführt hatte.
Als die Praktikumszeit vorbei war, fiel ich in große Einsamkeit. In der Schule saß ein Mönch (richtig mit Kutte) neben mir, der ständig schmutzige Witze erzählte, wie das für Katholiken typisch ist. Die Zeit ging irgendwie rum, aber obwohl ja jetzt auch in meiner Klasse Mädchen waren, wusste ich einfach nicht, mich ihnen irgendwie zu nähern. Nach der Kindergartenzeit hatte ich also plötzlich wieder keinerlei Körperkontakt zu anderen Menschen. Es war wieder fast, wie in meiner Kindheit, nur dass ich jetzt wusste, dass ich da unten etwas hatte, das man benennen und anfassen konnte. Immer noch belastete mich die Vorstellung, dass keine Frau Spaß an Sex hätte.
Ich konnte auch ohne Alkohol lustig sein? – Nein.
Aber noch ein zweites Verbot meiner Mutter hemmte mich, das Verbot, keinen Alkohol zu trinken, damit ich nicht würde, wie mein Vater. Meine erste Flasche Bier hielt ich in der Hand, kurz bevor ich meinem Messdieneramt und der katholischen Kirche mit dem lauten Ruf in den Gemeindesaal: Marx sagt, Religion ist Opium des Volkes! den Rücken zugekehrt hatte. Unser Gruppenführer meinte, wir wären jetzt alt genug und stellte uns ca. 15-jährigen eine Kiste Bier hin. Ich nahm einen Schluck, aber das Zeug war zu bitter. Auch im Schwimmverein hatte es eine Party mit Alkohol gegeben. Aber ich sah nur von meinem Stuhl aus traurig zu, wie Uschi Henze mit einem nach den anderen Blues tanzte, wie wir es damals nannten, wenn man zu langsamer Musik engumschlungen sich auf der Tanzfläche drehte. Hätte ich mich doch wenigstens getraut, mal eine oder zwei Flaschen Bier zu trinken, dann hätte ich vielleicht meine Hemmungen überwunden und auch mal einen Menschen umarmen können.
Mein Fachabitur war so schlecht, dass ich auf einen Studienplatz warten musste. Meine Mutter hatte mir dann ein paar Stellen aus der Zeitung rausgeschnitten, auf die ich mich bewarb. Zunächst wurde ich Begleiter im Schülerspezialverkehr der Stadt Essen. Dabei war meine Aufgabe einfach, morgens und nachmittags in einem großen Bus mitzufahren, der geistig behinderte Kinder zur Schule brachte und wieder zurück nach Hause. Dort hatte ich mein zweites erotisches Erlebnis mit einem Kind. Es war ein Mädchen, das sehr hübsch war. Anders als bei den meisten Kindern, konnte man im Gesicht keinerlei Behinderung erkennen. Während die anderen Kinder aus dem Heckfenster grölten und zu Musik von Suzi Quaddro, die sie alle toll fanden, jeden Autofahrer einen Idioten oder behindert schimpften, worüber ich denn schon schmunzeln musste, setzte sich dieses Mädchen still auf einen Platz, sagte kein Wort, aber schaute sich die Dinge mit ruhigem tiefen Blick an, auch mich. Ich setzte mich neben sie und schaute in ihre Augen, die ruhig und mit magischer Tiefe in meine Augen blickten. Da merkte ich wieder, dass sich mein Glied in der Hose regte. Ich versuchte, mit dem Mädchen zu sprechen, aber es gab mir keine Antwort. Doch es suchte auch meinen Blick immer wieder. Zuhause schrieb ich in mein Tagebuch, was eigentlich an der Vorstellung falsch wäre, wenn ich dieses Mädchen irgendwann einmal heiraten würde:
Unser Wissen mag groß erscheinen, verglichen mit einem geistig behinderten Menschen, aber wenn man den Maßstab verändert und das unendliche Nichtwissen zum Vergleich heranzieht, wie groß ist dann noch der Unterschied?
Schrieb ich. Irgendwie war das wohl die erste philosophische Fragestellung meines Lebens. Als ich dann später im Studium lernte, dass Sex mit einwilligungsunfähigen Menschen eine Straftat darstellt, dachte ich an meine Überlegungen zu diesem Mädchen, in das ich ja irgendwie etwas verliebt war. Zuletzt fiel mir diese Episode noch ein, als ich den wunderbaren Film Sprich mit ihr angeschaut hatte. (Hier verliebt sich ein Krankenpfleger in eine Koma-Patientin. Als diese schwanger wird, kommt er ins Gefängnis.) Aber die Episode mit dem Mädchen hatte zum Beispiel auch Einfluss auf die viel spätere Entscheidung, mich auf eine Beziehung mit Petra einzulassen. Diese war zwar nicht behindert, aber weder Akademikerin, noch linke Genossin. Es war vor allem ihre Schönheit und erotische Ausstrahlung, die mich überzeugt hatten und damit erfüllte ich ja auch wiederum das Klischee des Mannes, der nur mit der Hose denkt.
Meine zweite Stelle war Schwarzarbeit. Der Busunternehmer hatte mich angesprochen, ob ich nicht nebenbei auch für ihn fahren könne. Ich hatte gerade meinen Führerschein und noch nie ein größeres Auto als einen Käfer gefahren. Aber ich nahm das Angebot an und fuhr nun mit einem Kleinbus körperbehinderte Jugendliche zur Schule. Auch hier stellte sich mir gleich ein erotisches Rätsel: Was würde aus diesen Jungen werden, die, kaum jünger als ich, mit ihren vom Contergan
geschädigten kurzen Armen, womöglich nicht mal sich selbst befriedigen könnten? Wenn ich mir seitdem eine Lovestory anschaute, in der zwei Schöne ihre Wahre Liebe entdeckt und nach allerlei Widerständen sich dem Happy End entgegenspielten, sah ich hierin zunehmend eine Ware Liebe, die mit meiner Vorstellung von wahrer Liebe sich nicht decken konnte. Ich fand damals zum ersten Mal, dass der Beruf der Prostituierten zu den ehrenwertesten Berufen gehört, die eine Frau ergreifen kann.
Im Sommer dann bewarb ich mich um eine Vollzeitstelle als Schwimmmeistergehilfe. Ich war merkwürdig widersprüchlich. Denn zum einen hatte ich so viel gelesen und nachgedacht, dass ich von spießigen Vorstellungen der Meisten schon weit entfernt war. Anderseits gab es immer noch niemanden, der mich hätte in den Arm genommen und immer noch wusste ich nicht, wie ich mich einer Frau hätte näheren können. Schon vor der Eröffnung des Revierpark Vonderort gab es Ärger. Ein Mädchen, dass mit mir zusammen eingestellt wurde, ging in der Pause mit mir – nackt – baden. Es gab keine Gäste, es war Pause, keiner hätte es eigentlich gesehen. Doch der Parkleiter war sauer und rügte uns, wobei mir auffiel, dass ihm offensichtlich selbst keine Argumente einfielen, warum. Er war wohl nur eifersüchtig. In meiner Rolle am Wasserrand, mit weißer Hose und Pfeiffe, hatte ich ja natürlich die besten Voraussetzungen, mit Mädchen anzubändeln. Aber – ich war einfach zu gehemmt, sie irgendwie zu berühren. Ein Kollege prahlte damit, dass er einer Jugendlichen, die oft bei mir auf dem Turm saß und mit der ich – verbal – flirtete, an die Brust gefasst hätte und dass die es sich habe gefallen lassen. Wie konnte der so was nur tun? fragte ich mich. Und diese Frage war sowohl moralisch als auch „technisch” gemeint. Zum Abschluss der Saison gab es ein Fest. Der Parkleiter machte sich, leicht angetrunken, mit seinen Beinen unterm Tisch an den Beinen einer Putzfrau zu schaffen. Als sie zur Toilette ging, folgte er ihr. Am nächsten Tag wurde die Putzfrau entlassen, weil der Parkleiter sie, wie mir der Chef-Schwimmmeister vertraulich mitteilte, dort vergewaltigt hatte. Ich stellte den Parkleiter zur Rede und wurde ebenfalls entlassen.
Dann entdeckte meine Mutter eine Stelle, die mit Sozial anfing, deshalb ideal als Vorbereitung für mein Studium wäre und überredete mich, mich auch dort (ich hatte mich schon um alle möglichen Stellen bemüht) zu bewerben. Nach einem längeren Auswahlverfahren wurde ich eingestellt, als Justizvollzugsangestellter in der Sozialtherapeutischen Anstalt Gelsenkirchen. Schnell fühlte ich mich hier eher dem Therapeutischen Team zugehörig, bestehend aus Sozialarbeitern, Psychologen und einer Soziologin, als meinen „Schließer”-Kollegen. Dort nahm ich dann regelmäßig an Selbsterfahrungsgruppen für die Mitarbeiter teil. Und hier geschah es. Ich gestand, dass ich nie Körperkontakt hätte und darunter auch sehr leiden würde. Eine 40-jährige attraktive Sekretärin stand auf und nahm mich in den Arm. Ich heulte, brach fast zusammen. Kurze Zeit später brach ich mir ein Bein und die Sekretärin strickte mir einen Socken für die aus dem Gips herausschauenden nackten Zehen.
Ich besuchte dann irgendwann eine Podiumsdiskussion zum Thema Zukunft der Resozialisierung in der Essener VHS. Am ersten Abend fragte ich mit möglichst lockerer Stimme, ob ich irgendjemand in Richtung Borbeck mitnehmen könne. Ausgerechnet die einzige schöne Frau meldete sich: Sylivia. Ich brachte sie also nach Hause und sie fragte, ob ich noch einen Kaffee bei ihr trinken wolle. Es war etwa 11.00 Uhr abends. Ziemlich klar oder? Ich ging mit hoch. Dort stand eine Gitarre und ich fing an Cat Stevens-Lieder zu singen. Sylvia erzählte mir, dass ihr Freund im Knast wäre. Aber sie erzählte dann viel heftigeres: Sie sei masochistisch, meinte sie und erzählte mir ausgiebig und detailliert, wie sie sich gern schlagen ließ, von GangBangs in Pariser Hotels und dem Befehl ihres Freundes, auch gegen Geld mit anderen Männern zu schlafen. Nach Stunden sagte ich dann unvermittelt: Ich glaube, ich habe mich in dich verliebt.
Sylvia erschrak und meinte, sie wolle mich lieber als Freund. Männer, mit denen sie Sex mache, wären aber nie ihre Freunde. Ich fand das furchtbar erniedrigend, hatte noch nie einem Menschen gesagt, dass ich verliebt wäre und nun bekam ich von einer Frau, die behauptete, es mit beinahe jedem zu treiben, eine Absage. Trotzdem besuchte ich sie nun fast jeden Abend und blieb meist bis in die Nacht. Kam ich dann um 3 Uhr nach Hause, saß meine Mutter in der Küche und heulte. Und schimpfte: ich könne doch nicht so lange bei einem Mädchen sitzen. Ein anständiges Mädchen könne das ja nicht sein, usw. Ich fragte Sylvia, ob ich bei ihr einziehen könne und sie meinte, es würde bald eine Wohnung nebenan frei.
Im Knast war ich der beliebteste Beamte für Ausführungen. Darunter versteht man die ersten Gewöhnungen an die Freiheit. In Begleitung durften die Gefangenen zu festgelegten Zielen und Zeiten den Knast verlassen. Anders als den meisten meiner Kollegen, die ja oft verheiratet waren oder mindestens eine Freundin hatten, machte es mir nichts aus, bis spät in die Nacht zu arbeiten. Also bestand meine Arbeit bald meist darin, mit Knackis in die Disco zu gehen. Und es sprach sich schnell rum, dass ich relativ locker war. So sprach mich eines Tages Rudi an, mit dem ich bis dahin kaum zu tun hatte und bat mich, ihn bei seiner ersten Ausführung zu begleiten. Rudi war einer der heftigsten Knackis, die wir hatten. Er war sogar berühmt, wurde mal in XY-ungelöst, einer der Lieblingssendungen meiner Eltern und der Meisten, als Schwerkrimineller, der (was nicht stimmte) rücksichtslos von seiner Schusswaffe Gebrauch mache usw, gesucht, hatte sich einmal mit der ganzen Essener Zuhälterszene angelegt, indem er diese zwang, sich nackt auszuziehen und er sie dann durch die Straße trieb.
Du gehst zum Weibe? Vegiss die Peitsche nicht…
Seine Masche war, mit einem Geländewagen in Juwelierlädenfenster zu brettern, diese dann seelenruhig auszurauben, den vom Lärm aufgewachten Anwohnern noch freundlich zuwinkend und dann mit einem zweiten Fluchtfahrzeug abzuhauen. Also Rudi in meiner Obhut. Kaum waren wir draußen, fragte er mich, ob ich denn nicht irgendwelche Frauen kenne, wo wir hin könnten. Ich meinte, wir könnten doch in die Disco. Aber er meinte, er müsse unbedingt Sex haben, nach so langer Zeit und in der Disco würde das kaum so schnell funktionieren. Er hielt sich dran und irgendwann gab ich nach. Da wäre Sylvia, die zumindest nicht total sauer wäre, wenn wir sie besuchten. Also fuhren wir hin. Sie öffnete die Tür in einem kurzen Nachthemd einen Spalt, sah erst nur mich und meinte erleichtert: Ach du, Klaus – komm rein. Da schob sich Rudi vor mich, griff mit seiner Hand in den Schritt von Sylvia und stellte fest: Oh, kein Höschen, das gefällt mir ja. — Huch! sagte Sylvia nur.
Er schob sie dann in ihre Wohnung, wir setzten uns. Sylvia hatte einen hochroten Kopf, wirkte aber alles andere, als sauer. Rudi wollte etwas trinken, keinen Kaffee, Bier! Daraufhin bat mich Sylvia, zur Bude zu gehen und welches zu holen. Ich gehorchte und als ich zwei Minuten später an der Türe klingelte, wurde mir erst gar nicht aufgemacht. Erst als ich Sturm klingelte (Ich war nicht nur eifersüchtig, mindestens meine Stelle stand auch auf dem Spiel. Wäre er weg gewesen, hätte ich sogar mit einem Strafverfahren gegen mich rechnen müssen). Rudi öffnete mir, nackt, mit halb erigiertem Penis. Die ganze kleine Wohnung von Sylvia roch feucht und süß. Sylvia lag im Bett. Rudi nahm mir ein Bier ab und meinte dann zu mir: Alles klar. Zieh dich aus, Jung, mach mit! Ich flüchtete erst in die Kochnische, aber Rudi rief wieder: Wo bleibst du? Also begann ich, meinen Gürtel zu öffnen. Aber Sylvia stoppte mich. Nein, jetzt wäre gut und außerdem müssten wir auch gehen. Ich brachte Rudi also „nach Hause” in den Knast zurück. Dort hatte ausgerechnet einer der reaktionären Arschlöcher Dienst. Er roch an Rudi: “Haben Sie Alkohol getrunken?” fragte er streng. Nein! antwortete Rudi. Doch! entgegnete der Wärter. Mir war klar, dass das in der nächsten Personalkonferenz mal wieder peinliche Fragen bedeuten würde, die ganze Zeit war ich ja nicht nur immer knapp vor der Entlassung, sondern stand mit einem Bein selbst im Knast, da ich manche Regeln nicht einhielt. Mein Glück war, dass der Leiter, ein Dr. Dr. Rotthaus, mich mochte und ich jedes mal nur einen weiteren Eintrag in die Personalakte bekam und sonst nichts. Ich brachte Rudi auf seine Zelle und der freute sich schon auf die nächste Ausführung zu Sylvia, meinte er. Doch die rief dann bei meinen Eltern an und verlangte von mir, diesen wilden Kerl nie wieder zu ihr zu lassen. Nicht ganz ohne gewisse Triumphgefühle berichtete ich dies am nächsten Tag auch Rudi, was den aber gar nicht aus der Ruhe brachte. Und er hatte Recht. Schon zwei Tage später fragte Sylvia, wann ich denn wieder mit Rudi käme und ein halbes Jahr später haben die beiden geheiratet. Aus dem Schwerverbrecher wurde ein Baggerführer. Und ich bin heute noch etwas stolz, dass ich mit meinen illegalen Methoden wohl durchaus erheblichen Anteil an den wenigen Nichtwiederholungstätern hatte. Tatsächlich ist von den Leuten, um die ich mich intensiver gekümmert hatte, niemand gleich wieder in den Knast gewandert.
Meine erste -fast - richtige Freundin
Ich machte einen Schreibmaschinenkurs und fragte dort ein Mädchen, ob ich sie nach Hause fahren dürfe. Und da hatte ich mich dann irgendwie getraut. Ich legte vor dem Haus ihrer Eltern meinen Arm um sie, sie umarmte mich und wir küssten uns. Sie wurde meine Freundin. Meist waren wir bei ihren Eltern und guckten Fernsehen und knutschten dabei. Ich war glücklich. Irgendwann hatten wir dann sogar Petting und Heike meinte, sie wolle sich wieder die Pille besorgen und dann könnten wir auch zusammen schlafen. Meine Mutter war ganz angetan von ihr. Heike freue sich schon darauf, einmal Mutter meiner Kinder zu werden, hätte sie ihr gestanden und für mich zu kochen, wenn ich dann von der Arbeit nach Hause käme. Okay. Aber der Schock kam, als ich einmal im Wohnzimmer ihres Elternhauses allein mit ihrer Mutter war. Sie kramte irgendwelche Bettwäsche aus dem Schrank und meinte mit deutlichem Blick, das wäre die Aussteuer für ihre Tochter, die diese ja vielleicht bald brauchen würde. Am gleichen Tag machte ich Schluss. Ich war nun überzeugt, dass meine Mutter ja doch Recht hatte und dieses Mädchen mich ganz sicher nicht begehrte, sondern nur mit mir schlafen wolle, weil sie mich mit einem Kind an sich binden wollte.
Also war ich wieder allein. Zwar kannte ich jetzt den wunderbaren Geruch und Geschmack eines erregten verschwitzten Frauen-Körpers, aber sehr schnell war ich wieder so ängstlich und schüchtern, wie vorher. Immer noch hatte ich mit keiner Frau geschlafen und hatte jetzt das Gefühl, dass die Warnung meiner Mutter vor betrügerischen frigiden Frauen wie ein Bann auf mir lastete, den ich niemals los werden würde. Ich hatte inzwischen eine therapeutische Ausbildung begonnen, war recht sicher im Auftreten und lernte auch schnell Leute, auch attraktive Frauen, kennen. Aber immer wieder erstarrte ich, wenn der Moment kam, dass ich sie hätte in den Arm nehmen sollen, können, dürfen. Zwischen meinem Körper und den der Anderen war eine Mauer, es war, als ob ich mit den Menschen nur telefonierte, obwohl sie mir direkt gegenüber standen.
Da fragte mich ein Nachbar, ob ich nicht Lust hätte, mit ihm und ein paar Kumpeln für ein Wochenende nach Holland zum Zelten zu fahren. Dort [Teil 4] änderte sich alles…
8. September 2008 um 06:47
danke für die einblicke - in vorauseilender falscher erwartung vermute ich genau solche inhalte selbstverständlich, gerade in blogs - aber oft fehlanzeige. das da-unten ist eben überall