Rheinischer Kartoffelsalat

Ein Kulinarischer  Nord-Süd und Klassen-Kampf

Als ich meine Exfrau Katja noch nicht so lange kannte, hatten wir den ersten Konflikt ums Essen am Beispiel des gemeinen Kartoffelsalates. Ich kannte ihn als Kind immer als etwas Besonderes, es gab ihn nämlich Weihnachten, Sylvester, Karneval und bei allen anderen Parties, einschließlich als Wegzehrung während der Urlaubsreise, die immer nach Österreich, in die Schweiz oder nach Holland führte und immer war Kartoffelsalat in der Kühltasche. Also war für mich (und ist heute noch etwas) Kartoffelsalat irgendwie feierlich.

Nun schlug ich Katja also vor, doch mal einen zu machen und sie, die Schwäbin, war auch einverstanden. Als ich aber dann den Einkaufszettel schrieb, schlug sie die Hände über den Kopf zusammen: „Du willst mir doch wohl nicht diesen rheinländischen Prollfraß vorsetzen” empörte sie sich. Huch! Was meinte die denn? „Ich mag aber kein Fleisch im Kartoffelsalat” missverstand ich ihre Kritik. „Fleisch? – Wo von redest Du denn? Fleischbrühe höchstens.” Sie setzte sich durch und es gab damals schwäbischen Kartoffelsalat (den ich heute auch sehr gern mag). Damals war ich aber schwer enttäuscht, klar: Feierlaune konnte bei mir da nicht aufkommen; so war ich, würden NLPler sagen, eben nicht programmiert.  Jetzt, mit Sabine zusammen, die, wie ich aus Essen und aus einer Arbeiterfamilie stammt, darf ich Rheinischen Kartoffelsalat, genau so „prollig”, wie ich ihn als Kind liebte, auch heute zubereiten. Die einzige Abwandlung von mir ist, dass ich die Mayonnaise selbst mache.

 

Bild: Rheinischer Kartoffelsalat nach Art der Arbeiterfamilien

Bild: Rheinischer Kartoffelsalat nach Art der Arbeiterfamilien

Hier also mein Rheinischer Kartoffelsalat nach Art der (Essener) Arbeiterfamilien:

Zutaten:

  • 4 Eier
  • 4 kleine festkochende Kartoffeln
  • 1 kleine Zwiebel
  • Salz, Pfeffer, Zucker, etwas Maggi
  • 4 EL Öl
  • 1 EL Essig
  • 8 kleine Gürkchen aus dem Glas
  • ca. 100 ml Mayonnaise

Zubereitung:

Die Kartoffeln zusammen mit den Eiern in einen Topf geben und mit Wasser (und etwas Salz) bedeckt zum Kochen bringen. Falls ich nicht genügend kleine Kartoffeln habe, schneide ich größere durch (ohne sie aber gleich ganz zu schälen)

Nach ca. fünf Minuten Kochzeit die Eier herausnehmen und die Kartoffeln weitere 15 Minuten kochen lassen.

Die Eier ordentlich abschrecken oder unter fließend kaltem Wasser pellen. (Warum die Finger verbrennen?)

Dann kommen die Eier in den Kühlschrank. Aus den Gewürzen mit dem Öl und Essig ein Dressing machen, kleingehackte Zwiebel und kleingeschnittene Gürkchen hinzu.

Die Kartoffeln ebenfalls abpellen und in kleinen Würfeln (noch warm) zum Dressing geben und ordentlich (ich mach das mit den Fingern) vermengen. Ebenfalls, mindestens zwei Stunden, kalt stellen. 

Sollte nun nicht alles Dressing aufgesogen sein (manchmal passiert das, wenn ich noch etwas Gurkenwasser hinzufüge), kippe ich das ab und füge nun die gewürfelten Eier und ein paar EL Mayonnaise hinzu. Lecker. Meine Oma hat immer noch etwas Bärenmarke Kondensmilch (mit 10% Fett) zur Mayonaise gerührt. Hamm wer nich, gibbet nich.

Dazu aßen wir früher immer Bockwürstchen mit Senf. Mach ich heute auch manchmal.

Ein Kommentar

  1. anita schreibt am:

    Hallo…
    Als im Schwabenland “Zugereiste”bzw:Neigeschmeckte…, die ich nach 30 Jahren immer noch bin…; hab diesen Konflikt auch erlebt :-)
    In dem Salat waren nur Kartoffeln!!!
    ich fragte wie sie denn Nudeln oder Reissalat machen…??
    Aber inzwischen mag ich auch den Schwäbischen als Beilage.
    Aber zum Picknick, zu Grillpartys usw.. halt zu “besonderen Anlässen ” mache ich beide..

Notizen zum Text (von mir und Gästen)