Russland dreht auf

Wollt ihr den Totalen Frieden? Ja! - schreien die letzten Menschen und blinzeln…

Die explodierenden Gaspreise haben ja auch was Gutes: mit ihnen finanzieren wir, wenn auch ungewollt, noch mal einen Aufschub des drohenden Totalen Friedens. 

Bild: bremsen russische Flieger den Weltfrieden?

Bild: bremsen russische Flieger den Weltfrieden?

Wäre den Meisten die etymologische Ableitung des Wortes Frieden klar, verbunden freilich mit mindestens einer Ahnung, dass ein respektvoller Rückblick auf die Semantik unserer Vorfahren nicht leere Spielerei[1] ist, dann würden sie vielleicht beim vorigen Satz nicht so die Stirn runzeln.

So hat das deusche Wort Frieden eben auch die Bedeutung des Einfriedens also Abgrenzens, und deutlicher bedeutet das lat. paco (und damit das Englische peace) nicht nur den Frieden bringen, sondern zugleich auch unterjochen. Liegt also im germanischen Frieden noch die Richtung eher nach innen, d.h. ist Frieden hier etymologisch mit Freiheit und Freundschaft verwandt, liegt im römischen Frieden der Schwerpunkt bereits auf dem Sieg über die Barbaren.

Richtig abgründig wird Frieden aber erst, wenn er von dem bemächtigt ist, was Ludwig  Klages den rechnenden außerirdischen Geist nennt. Vergessen wir an der Stelle mal irgendwelche grünen Männchen in UFOS und tauschen „Geist” gegen „Blick” aus, dann wäre dies der Blick von Google Earth, also der Blick von Oben auf die Erde als Ganzes herunter (der nicht nur am Rande der Technik, der rechnenden Wissenschaft bedarf). Dies ist, Carl Schmitt vereinfacht, der neue Nomos der Erde: Globalisierung. Dann gäbe es kein „Maß” der Globalisierung und Behauptungen, etwa der Schweizerischen Freimaurer ,[2], Globalisierung wäre nicht neu, sondern habe es schon bei den Höhlenbewohnern gegeben, verfälschten die eigentliche und wesentlich un-heimliche Bedeutung von Globalisierung, wie sie etwa in dem alten Slogan der Grünen steckt: „Global Denken – lokal handeln.” Globales Denken wäre dann eben das Denken des außerirdischen Geistes, von dem Klages spricht, bzw. vor dem analog auch Proudhorn und Carl Schmitt warnen, wenn sie feststellen: Wer Menschheit sagt, will betrügen. Leider entgeht linken „Globalisierungskritikern” oft genau diese eigentliche Bedeutung von Globalisierung. Wo sind ihre Anfänge?

Ob nun im Pax Christi oder im Wort Islam oder im pax americana der Menschenrechtsideologie: immer ist hier die Frage nach dem totalen Frieden gestellt und als Sehnsucht und Schlachtruf aufgestellt, als neuer Nomos der Erde.  Das ist Globalisierung als Qualia, also im Wesen des Wortes begriffen und nicht als quantitatives Maß etwa für die Ausbreitung von Handel oder Kommunikation. Hier, im Monotheisums, d.h. im Patriarchat, sind also ihre Anfänge und gegenwärtig erleben wir ihren Triumph. Globalisierung kennt wesentlich keine Ausbreitung, wie noch klassische Weltreiche, da im Reich immer noch der Bereich als der alte Nomos wirkt. Globalisierung ist immer schon über-All, außerirdischer Geist. Und folglich ist totaler Frieden oder Weltfrieden nur ein anderes, freilich süßeres Wort, als totaler Krieg in seiner tiefsten furchtbarsten Bedeutung.

 

Bild: "Change we can believe in" – Obamas Privatjet

Bild: "Change we can believe in" – Obamas Privatjet

 

 

Wollt ihr also den Totalen Krieg?

Obama, der jüngst zu uns Deutschen nicht als amerikanischer Präsidenschaftskandidat, sondern als Weltbürger sprach, hat diese Frage gestellt. Und der Applaus blieb nicht aus. Allein, egal, wie sehr wir seiner Verlockung folgen mögen: Einstweilen machen uns zum Beispiel die russischen Gaspreise noch einen Strich durch die Rechnung. Denn vor allem mit den Einnahmen aus unseren warmen Stuben schickt sich Russland derzeit an, die heißen Träume von NATO und UNO ein wenig abzukühlen. Denn als Antwort auf die freche Behauptung, mit im Norden stationierten Raketen wolle man nicht den Norden (Russland) sondern den Süden (Iran) bedrohen, schickt sich Russland lt. russischen Medienberichten an, Gespräche mit Venezuela und, ja – Kuba – zu intensivieren. Dazu auch ein Video mit einem Interview des russischen Beobachters bei der NATO Dmitry Rogozin, das der russische Propagandasender RussiaToday am 24.07.08 ausgestrahlt hat. Das Video  auf der RT-Seite, sowie die Fassung bei youtube haben eine sauschlechte Akkustik, leider. Ich habe selbst hier nur den zweiten Teil, in guter Qualität:

Seien wir einstweilen misstrauisch und wittern mit Proudhon und Schmitt Betrug, wenn uns als angeblich andere Globalisiserung  ausgerechnet die Menschenrechte vorgeführt werden. Eine wirklich andere Globalisierung, eine Globalisierung von unten, wäre genau die, die ganz ohne Metapher „von Unten” kommt, als den Blickwinkel radikal verändernd. Es wäre der Slogan: Lokal Denken – Global Handeln. Es ist dies der Blick, von dem aus  die Erde eine Scheibe ist und die Sonne bei uns im Osten aufgeht, ein Blick, der notgedrungen ohne Anspruch auf universale Wahrheit auskommt, sondern immer mitdenkt und -sagt: „Für uns…”, „aus meiner Sicht…” und der nicht beansprucht, mehr zu wissen und zu beanspruchen, als das, was er so überblicken kann. 

Unter diesem Gesichtspunkt hoffe ich auf einen kalten Winter und warme Stuben.

Fußnoten:
  1. vielmehr ist es ja umgekehrt, Sprache als reines Werkzeug führt in die Leere []
  2. die ich hier nicht wegen ihres schlechten Rufes in Weltverschwörungstheoretikern gewählt habe, sondern weil Google sie in meiner Suche als erstes gelistet hat []

Ein Kommentar

  1. Perspektive eines Wahns – Patriarchat als Ausnahmezustand | www.KHeck.info pings back:

    [...] nur, Häuser zu halten und in ihnen zu wohnen. Fußnoten:im letzten Absatz des Artikels Russland dreht auf begründe ich, warum meine Wahrheit nie den Anspruch auf Universalität erhebt [↩]Judith [...]

Notizen zum Text (von mir und Gästen)