Deutsch-Libanesische Annäherung

Hühnchen mit Reis

Zu diesem Gericht, das zu unseren Lieblingsgerichten gehört, will ich erst mal eine Geschichte erzählen. Wen sie nicht interessiert, der kann gleich
zum Rezept springen.

Es muss Anfang der Achtziger Jahre gewesen sein, die „geistig moralische Wende”, also der reaktionäre Rückschlag nach den 70ern war noch nicht so stark ausgeprägt, wie heute. Ich arbeitete in einem Kinderheim. Dort stand ein Haus ganz leer, da für Jugendliche eine Außenwohngruppe in der Stadt eingerichtet worden war. Nun kam der Heimleiter auf die Idee, dort eine Asylantenfamilie unterzubringen. Ich war damals auch im Betriebsrat und protestierte: Schließlich hatte ich gerade erreicht, dass die einzelnen Häuser einen familiäreren Charakter erhalten hatten, z.B. durch Klingeln an den Türen, statt Keil für schnelles Rein- und Rausgerenne (meist der Erzieher, die bei den Kollegen Kaffe trinken wollten). Und jetzt neues Chaos, hauptsache das Geld stimmt?

Bist du etwa ein Nazi oder was?

Die Kollegen teilten meine Bedenken nicht, fragten, was ich denn gegen Ausländer habe und einige schauten mich mit dem Blick an, den ich schon kannte als „Bist du etwa ein Nazi?” Ich gab also auf und alle freuten sich auf die Multi-Kulti-Bereicherung.
Es sollte eine Familie mit fünf Kindern kommen, die Mutter sei hochschwanger, hieß es. Wenige Tage vor dem Einzug verlangte ich einen Besichtigungstermin für das Haus. Ich war schockiert. Der Heimleiter hatte einfach zwei Räume mit Luftmatrazen und Schlafsäcken ausgestattet, einen für die Kinder, den anderen für die Eltern; die anderen Räume außer der Küche waren abgeschlossen. Ich verlangte, er solle wenigstens für die Frau wieder ein Bett reinstellen. Die mussten nichtmal gekauft werden. Schließlich hatten in dem Haus noch kurz vorher Jugendliche gewohnt und die Betten waren in einem der abgeschlossenen Zimmer. Der Heimleiter weigerte sich, das „wertvolle Mobiliar” zu riskieren, das sei Aufgabe der Stadt, er habe nur die leeren Räume vermietet, die Luftmatrazen seien schon ein Zugeständnis.

Da ich damals auch bei der GAL aktiv war, ging ich zum Bürgermeister und verlangte, dass der das regeln sollte. Er wollte zwar nicht, aber nach einem kleinen Wink, dass ich dann zur Presse ginge, änderte er sofort seine Meinung.

Dann kam also die Familie. Jeder hatte ein Bett und alle meine Kollegen hatten Berührungsängste, obwohl sie sich doch so auf die multikulturelle Bereicherung gefreut hatten. Ich ging also zur Unterkunft der Familie, sie hieß Atris und ich wurde gleich hereingebeten. Es gab: Reis mit Hähnchen. Ich musste mich setzen und mitessen. Und es hat mir gleich sehr lecker geschmeckt, wenn ich auch nicht wusste, was diese braunen dünnen Würmer im Reis wohl sein sollten. Da von der ganzen Familie Atris alle nur arabisch sprachen, konnte ich auch nicht fragen und erfuhr erst viel später, dass es sich dabei um angeröstete Suppennudeln handelte.

Jedenfalls wurde der Kontakt, vor allem zum Vater der Atris, er hieß Ismael, in den nächsten Monaten sehr intensiv. Wie intensiv? — Noch intensiver…

Es fing damit an, dass wir jetzt jeden Tag bei denen essen sollten. Kamen wir (also meine damalige Freundin Petra  und ich) nicht freiwillig, wurden wir von einem der Kinder abgeholt. Sagten wir “Nein”, bzw. “La”, dann kam zehn Minuten ein anderes Kind – bis wir nachgaben. Und das Essen fand ich auch sehr verführerisch. Nicht nur das Essen. Familie Atris war eine konservative einfache muslimische Familie aus dem Libanon. Die ältere der beiden attraktiven Töchter (und die Mutter sowieso) war draußen stets verschleiert. Die ältere Tochter war innerhalb der Unterkunft manchmal verschleiert. Ich musste mich immer neben das Familienoberhaupt setzen, also nicht schräg gegenüber, wie bei uns üblich, sondern ganz dich neben ihm. Er hielt dann manchmal meine Hand, während er mir zulächelte oder mir etwas verständlich machen wollte. Meist waren nur Ismael und seine beiden Söhne im Raum. Die Mutter war mit den beiden Mädchen in der Küche. Bis Ismael “Yella, Tschai!” rief. Dann kam zum Beispiel die ältere Tochter mit Tee. Oft sah sie mir dabei in die Augen und von solchen Blicken ging zunehmend eine Erotik aus, die kein Porno vermittelt.

Nach ein paar Tagen fingen wir dann an, mit den Eheleuten Atris zusammen mit unserem Auto einkaufen zu fahren. Das war auch ein Schock: Da kam es oft vor, dass wir für 50 Mark eingekauft hatten, der Einkaufswagen war kaum halb voll (und wir wussten am nächsten Tag trotzdem nicht, was wir kochen konnten), während an der Kasse die Atris für ihre sieben Leute (und uns zwei regelmäßigen Mitessern) auch nur 50 Mark bezahlten, ihr Wagen überquoll und sie stets so leckeres Essen hatten.

Es war Sommer und in Uetersens Nähe gab es einen See, „Lander” genannt, an dem nicht nur nackt gebadet wurde. Man kann es heute kaum noch glauben, aber es war wirklich so: Die Schönen und Reichen kamen von Hamburg her, der See war ein Geheimtipp, das hieß: hunderte Autos parkten in allen kleinen Straßen rund um den See. Und wenn man sich dem See durch Wiesen und Büsche näherte, dann war es nicht selten, dass man über irgendwelche Paar rübersteigen musste, die da einfach lagen und Sex hatten, „Bumsen” nannten wir das damals. Und nun fragt mich Petra plötzlich, ob wir nicht mit Familie Atris dorthin wollten. Ich zeigte ihr einen Vogel. Konnte sie sich denn überhaupt nicht den Kulturschock vorstellen, den sie da auslösen würde?
Abb: So sah Petra damals aus

Aber mir schwante auch gleich etwas anderes: Seit meinem Leben in einer Kommune in Bochum hatte ich mich an den Gedanken einer exklusiven Zweierbeziehung nie wieder gewöhnt. Und Petra war so was, was man wohl Nymphomanin nennt. Ich wusste das, bevor ich mit ihr zusammen kam.

Meine Ahnung hatte mich nicht getäuscht: „Du Klaus, ich finde Ismail ganz schön attraktiv” meinte sie zu mir. Nun hatten wir schon einige Abenteuer hinter uns, auch Threesomes (damals „flotte Dreier”) fehlten da nicht. Aber ich riet ihr dringend ab, einen libanesischen Muslim zu verführen.

Nackte Begegnungen am See in Lander

Der saß nun die ganze Zeit dabei, verstand nichts und Petra machte Schwimmzeichen. „Ah. Schwimmen. Äi. Yella” sagte er und “Klaus, fahren?” schaute er mich an. Also packten wir ihn ins Auto und fuhren zum See, Petra, Ismail, meine Tochter, ein paar Jugendliche und ich. Dort legten wir eine Decke auf die Wiese zwischen den lauter Nackten dort und auch wir alle – bis auf Ismail – zogen uns aus. Ismail behielt seine Unterhose an, war ganz blass und ich fand ihn ja gar nicht attraktiv. Er ging mit uns ins Wasser und sah mit seiner Unterhose wie ein Ausländer aus. Später bat ihn Petra, doch ihren Rücken mit Sonnencreme einzureiben. Naja. Wie das weiterging, erzähl ich vielleicht ein anderes Mal. Jetzt kommt 

Das Rezept:

Zutaten:

  • 1 Huhn (außer Keulen und Brustfilet)
  • Suppengrün (Porree, Zwiebeln, Möhre, Loorberblatt, Petersilie, Thymian)
  • eine Handvoll Suppennudeln
  • eine große Tasse (Basmati-)Reis
  • Salz, Pfeffer, Butter, Öl)
  • Joghurt

Zubereitung: Das Huhn mit dem Suppengrün und kaltem Wasser (so dass das Huhn bedeckt ist) eine halbe Stunde kochen. Dann herausnehmen und die Brühe in einen anderen Topf seihen. Diese Brühe wieder auf die Flamme stellen und etwas einkochen.

In einem anderen Topf (bzw. den abgespülten, in dem vorher das Huhn gegart hat) eine Mischung aus Butter und Öl geben. Sobald die Butter verläuft, eine Handvoll Suppennudeln hineingeben und rösten, bis sie mittelbraun sind, dann den Reis zugeben und ein bis zwei Minuten weiterbraten. Mit einem Schöpflöffel aus dem anderen Topf mit der Brühe ablöschen, Flamme auf klein stellen und ca. 10 Minuten (bis der Reis weich ist) weiterköcheln. Wenn der Reis alle Flüssigkeit aufgesaugt hat, weitere Brühe hinzugeben. 
Den Rest der Brühe fülle ich dann in ein Marmeladenglas und benutze sie ein paar Tage später für irgendeine Sauße.
Inzwischen das (hoffentlich) nicht mehr ganz heiße Huhn von Knochen und Haut befreien. Die Haut bekommt der Hund, der die ganze Zeit schon bettelt. Die Knochen wandern in den Müll. Das Fleisch, wenn nötig, in kleinere Teile würfeln und zum fertigen Reis geben.
Dazu essen wir Joghurt pur, also ohne Salz, Knoblauch, Olivenöl oder dergleichen.
Ich muss dazu sagen, dass ich dieses Gericht nun seit mehr als zwanzig Jahren immer wieder koche und immer wieder etwas abgewandelt habe, bis das Rezept so einfach wurde, wie hier beschrieben. Wir hattten vor ein paar Wochen hier in Aachen mal einen Kurden zu Besuch, der, ebenfalls aus dem Libanon kommend, behauptete, unser Reis habe keine Ähnlichkeit mit einem libanesischen Gericht. Das stimmt sicher. Aber davon abgesehen habe ich auch noch nie einen Araber kennen gelernt, der zugegeben hätte, dass ein Deutscher arabisch kochen kann.

2 Kommentare

  1. nasser schreibt am:

    hi wer bist du bist du die petra???

  2. KHeck schreibt am:

    Ich bin der Klaus

Notizen zum Text (von mir und Gästen)