Endstation Dummheit?

Hart Dumm Aber Fair bequatscht den Verfall der Ehe

Wow – das will schon was heißen, wenn in einer Sendung der beliebten ARD-Sendung Hart aber Fair zum Thema „Endstation Scheidung” wirklich nur dummes Zeug geredet wird. Vielleicht mit einer Ausnahme: Joachim Fuchsberger, der als ältester Gast zugleich die längste Ehezeit vorweisen kann (55 Jahre) schwört, zum Entsetzen einer Maus von den GRÜNEN und einer Ratte (Frau Pauli) von der CSU, auf Kontrolle als Geheimnis seines Erfolges: Seine Frau sei bei allen Dreharbeiten immer dabei gewesen und so habe er einfach nie Gelegenheit gehabt, eine Affäre anzufangen – und das sei auch gut so. Doch in unserer Welt darf man gut finden, schwul zu sein, abgedreht, pervers, alles nur eins nicht: Zwang oder Abhängigkeit in einen vernünftigen guten Zusammenhang mit Liebe zu stellen.

Selbst die Tante aus der katholischen Ecke kann Fuchsberger da nicht beipflichten und nennt Glück als wesentlichen Pfeiler ihrer Ehe. Na immerhin etwas, der geladene “Experte”, irgendein Paartherapeut, legt sich da überhaupt nicht fest.

Und als Fuchsberger, der die meiste Zeit, wenn auch wohlwollend, so eben doch von obenherab (das ist da, wo die Jüngeren meinen zu stehen), belächelt wurde, den Vorschlag von Frau Pauli, eine Ehe auf Zeit (sieben Jahre), die die Standard-Ehe ablösen solle, kommentieren soll, verliert er für einen Moment seine tolerante Haltung: Das kann ich nur als Versuch eines Politikers verstehen, irgendwie für Aufmerksamkeit zu sorgen, was soll ich da sonst zu sagen — Es ist doch einfach nur Quatsch, was die da redet. Recht hat er.  Nun erwarte ich von einem Schauspieler ja nicht, dass er die Kleinfamilie als Grundlage unserer Gesellschaft infrage stellt, so wie wir es (Recht hatten wir) in den 70ern taten, wobei wir ja als Alternative nicht den Single-Haushalt vorstellten, sondern eher eine Renaissance der Sippe, in moderner Sprache also Kommune, nicht zu verwechseln mit einer WG. Und da ich hier ja etwas zur Sendung Hart Aber Fair sagen und nicht allgemein politisch werden will, lasse ich das auch und greife hier deshalb nur das Argument von Fuchsberger auf und verzichte ausserdem auf die Aussagen von allen anderen Teilnehmern. Von der Grünen-Frau Julia Seeliger bringe ich ein Foto, auch wenn sie darauf nicht so gut getroffen ist, wie sie in der Sendung rüberkam, so dass ich die ganze Zeit hoffte, dass ein so attraktives Mädchen doch sicher irgendwann auch mal was attraktives sagt und ich die Sendung deshalb überhaupt zu Ende angeschaut habe. (Ich wurde enttäuscht)

Was also alle anderen gegen Fuchsberger aufgebracht hat und zumindest eine sich links gebende Julia Seeliger nicht hätte aufbringen dürfen (vom “Experten” ganz zu schweigen), ist wieder einmal der Mythos von der Wahrheit des Gefühls, des Ichs, des inneren Selbst oder was auch immer für ein Blödsinn. Hat nicht Foucault alles dazu gesagt? Hat nicht schon Schopenhauer mit seinem Beweis der Unmöglichkeit eines „freien” Willens alles zum Thema gesagt?  Versteht denn keiner mehr (außer Fuchsberger), dass es irgendwie widersprüchlich ist, einerseits alles auf die Verführbarkeit durch die Liebe, durch Eros, zu bauen und dann aber zu glauben, dass diese Verführbarkeit schon von ganz allein irgendwie an den Sieger im Rennen um diese Verführung kleben bleibt?

Ich will mich hier nicht weiter mit dem leeren Geschwätz der Meisten aufhalten, nur einen Vergleich will ich noch loswerden, eine Idee, die mir gestern beim Einschlafen kam:

Stell dir vor, du willst dir ein gebrauchtes Auto kaufen und du siehst eines beim Gebrauchtwagenhändler um die Ecke, das einen tollen Eindruck macht. Nun erfährst du aber von allen Bekannten, dass genau dieser Händler ein Betrüger ist und selbst in der Tageszeitung steht, dass er schon mehrfach wegen Betrug vorbestraft ist. Würdest du also von diesem Händler ein Auto kaufen? — Wahrscheinlich nicht.  Bis hier ist es ja einfach. Aber nun kommt die nächste Frage: wenn du doch eh von so einem kein Auto kaufen würdest, wozu dann Strafgesetze? Ich meine, so was spricht sich doch rum? Oder anders gesagt: Wieso kaufst du nicht trotzdem ein Auto bei dem, da dich doch Gesetze und Verträge vor Betrug schützen?  Wahrscheinlich würdest du weder ein Auto bei dem Betrüger kaufen, noch wollen, dass er dich betrügen darf, wie er lustig ist?

Ist es da nicht seltsam oder doch wenigstens erwähnenswert, dass in unserer Kultur der Ehebruch, der ja irgendwie auch ein Vertragsbruch ist, der Betrug an dem angeblichen Fundament unserer Gesellschaft, nicht nur straffrei bleibt, sondern gar als notwendiger Bestandteil eines gesunden Lebens verkauft wird? Denn wenn ich in mein Herz hineinhorche und eine Lust auf einen Anderen, eine Andere, entdecke, handle ich da nicht gegen die Wahrheit meines Herzens, gegen die Wahrheit der Liebe, wenn ich diesem Impuls nicht folge? Genau das behaupteten letztlich die Gäste in Hart aber Fair und genau deshalb fordern sie, dass jeder Zwang der Liebe schadet und sie deshalb davor geschützt werden müsse.  Vielleicht sollte uns das doch krasse Missverhältnis zwischen dem Islam etwa, in dem Ehebruch mit dem Tode bestraft werden kann und unserer Haltung(slosigkeit), wonach jeder Zwang, jede Abhängigkeit, jede Verbindlichkeit also, unseren „Bindungen”  fern bleiben soll, zu denken geben? Noch vor wenigen Jahrzehnten wurde in Frankreich ein gehörnter Ehemann, der den auf frischer Tat ertappten Nebenbuhler kurzerhand erschossen hatte, äußerst milde geahndet. Heute bei uns würde der gleiche Ehemann, der, statt seinen Nebenbuhler zu erschießen, nur noch mal auf ein Gespräch mit seiner Frau/Freundin drängt, kurzerhand und schnell als Stalker gebrandmarkt. Im obigen Vergleich wäre das etwa so, dass ich beim Betrüger ein Auto gekauft habe und, nachdem ich den Betrug (etwa ein falscher TÜV-Stempel) aufgedeckt habe und den Betrüger zur Rede stellen will, dieser einfach sagt, er möchte nicht mit mir reden und wenn ich nicht aufhöre, ihn zu belästigen, die Polizei rufen und mich als Stalker denunzieren könnte (während ich eben überhaupt keine rechtliche Handhabe hätte).

Um alles zum Abschluss noch etwas komplizierter zu machen: natürlich interessieren mich die Strafgesetze einen Scheiß. Man kann sie von mir aus alle abschaffen. Aber wenn schon Strafrecht, wenn schon Betrug unter Strafe gestellt ist, und wenn schon angeblich Ehe und Familie (und nicht das Eigentum allein) die Grundlage unserer Gesellschaft sein soll, dann, bitteschön, wo sind die Sanktionen bei Betrug am Partner, wenn es nicht ums Geschäft, sondern um die Liebe geht?

3 Kommentare

  1. Thors Hammer schreibt am:

    Du warst mal ein Linker ? Oder bist es immer noch ? Ist ja kaum zu glauben, die Forderung nach Bestrafung von Ehebruch ist traditionell erzkonservativ. In jedem Bundesland der USA ist Ehebruch ein Verbrechen in den anderen ein Vergehen. Du solltest bedenken, dass liberale Forderungen bei den meisten Menschen gut ankommen, da es den ” inneren Freiheitsdrang ” schmeichelt.

    Übrigens : Betrug ist zwar per Gesetz verboten aber Betrüger scheinen es zur Zeit sehr leicht zu haben. Auf der einen Seite wird der Orwell-Polizeistaat immer mehr ausgebaut ( Stichwörter “VDS”, “Bundestrojaner”, RFID Kameras, BKA-Gesetz etc. ) während gleichzeitig Gewinnspiel-Betrüger wie Friedrich Müller und co. über viele Jahre die gleichen Nummern abziehen können, wobei es ganz einfach wäre die zu bekommen. Irgendjemand muss das Geld ja für die von den 0900er-Nummern abholen.
    Betrügern dürften die verschärften Sicherheitsgesetze also nicht gelten.

    Gruß, TH

  2. Klaus Heck schreibt am:

    Ich habe mich mal wieder nicht deutlich genug gezeigt: Nein, ich fordere keine Strafgesetzgebung für Ehebruch; wie ich unten schreibe kann man von mir aus alle Strafgesetze zusammen abschaffen. Aber ich bin sicher erzkonservativ — und links. Mein Vorgänger war hier Paul Goodman, Anarchist und Vorreiter der Schwulenbewegung in den USA, der sich selbst als “Steinzeitkonservativ” beschrieben hat.

    Aber vielleicht hast du mich auch richtig verstanden, ich fordere tatsächlich eine „Bestrafung” von Ehebruch und zwar durch die Gemeinschaft (nicht die Gesellschaft) der Beteiligten, wenn man will erstmal sowas wie ein Unrechtbewusstsein, eine Art “Ächtung”.

    In den USA wird m.W. Ehebruch so gut wie nie bestraft, aber interessant finde ich, dass die Amis hier zu einem großen Teil in der Bevölkerung das von mir geforderte Unrechtbewusstsein tatsächlich (noch) zu haben scheinen. So ist mir in Berichten der s.g. “Pickup-Community”, das sind postmoderne Nachfolger von Casanova und Co., aufgefallen, dass die meist überhaupt kein Problem damit haben, zu versuchen, eine Frau zu verführen, die bereits einen anderen “dated”, also einen Freund hat; aber vor Ehefrauen schon eher zurückschrecken.

    Also wie gesagt, ich fordere keine neuen Gesetze, eher schon Straffreiheit für betrogene Partner, die den Betrügern vielleicht mal eine klatschen… oder so.

    Und zivilrechtlich müsste man sich ggf. auch was überlegen, sowas ähnliches vielleicht wie die alte Schuldfrage bei Scheidungen und die Möglichkeit von Schadensersatzforderungen (nicht nur an den Partner, sondern auch an den/die Dritte) etwa.

  3. julia seeliger schreibt am:

    Na, wenn du eine gesellschaftliche Ächtung von Ehebruch forderst, dann können wir beide keinen Konsens finden. Als “dumm” musst du mich dennoch nicht bezeichnen, auch wenn du das weit ausführst. Ich glaube eher, dass wir beide sehr unterschiedliche Werte haben.

    Ist eine Frau/Partnerin/Partner/ (keine Ahnung, ob du homosexuell oder hetero bist) so etwas wie ein Auto?

Notizen zum Text (von mir und Gästen)