Alle Jahre wieder
Christstollen und sonst nix
Heiligabend 2005. Es war das fünfte Mal in Folge, dass Heiligabend bei Sabine und mir gefeiert wurde. Diesmal war zum ersten Mal meine Tochter nicht dabei; sie feierte mit ihrem Mann und Sohn in Israel. Dafür hatten Sabine und ich meine Exfrau und Ex-Schwiegermutter (hinten rechts) eingeladen, mein Sohn und meine Eltern (links) kamen wie immer. Und wie immer seit ich nicht mehr reich war, hatte ich großen Wert auf ein aufwändiges Menu gelegt. Diesmal kostete es uns etwa 500 Euro, die wir uns vom Arbeitslosengeld II schon monatelang abgespart hatten. Heiligabend 2005 war das letzte Mal, dass ich Weihnachten gefeiert habe.
Denn 2006 schlug meine Exfrau vor, dass wir doch diesmal alle zu ihr kommen sollten, sie wolle sich für das tolle Essen revanchieren. „Never change a running system” sagt Hans-Jürgen immer. Ich hätte auf ihn hören sollen. Denn als ich es endlich geschafft hatte, meine Eltern, meine Tochter und Sabine dazu zu bewegen, diesmal bei meiner Exfrau zu feiern, ließ diese die Bombe platzen: Erst schlug sie so eine Art Bottle-Party vor, um dann mit der finalen Rache an mich zu enden, dass es Fondue gäbe. Meine Exfrau wusste ja gut, was ich hasse. Das Herumstochern von 10 Leuten in heißem Fett gehört dazu. Ich erklärte ihr also mein Missfallen. Wenig überrascht konterte sie, das tangiere sie nun überhaupt nicht. Also sagten Sabine und ich wenige Tage vor diesem Fest unser Kommen ab. Seitdem findet Weihnachten ohne uns statt. Meine Eltern, mein Sohn, meine Tochter mit Mann und Kindern – sie feiern seitdem Weihnachten bei meiner Exfrau und ohne uns. Sabine und ich feiern seitdem Weihnachten überhaupt nicht mehr. Das spart natürlich Geld und Stress. Aber trotzdem bin ich schon in der Vorweihnachtszeit immer noch trauriger, als es sich für diese Deprizeit ja ohnehin gehört.
Bei uns gibt es also weder Tannenbaum, noch Adventskranz oder -Kalender, keine Geschenke, keine Plätzchen, kein gar Nichts. Komischerweise ist unser einzig verbliebendes Zugeständnis an Weihnachten der Christstollen, den wir, bzw. Sabine, noch regelmäßig backen:

Zutaten:
- 500 g Mehl
- 1 Tütchen Trockenhefe
- 125 ml Milch
- 80 g Zucker
- 180 g Butter
- 250 g Rosinen
- 100 g Orangeat
- 1 TL Zitronenzesten
- 1 TL Orangenzesten
- 25 g Mandeln
- ein paar Tropfen Bittermandelöl, eine Prise Salz
- 3 EL Rum
- 200 g Marzipanrohmasse
- 50 g Puderzucker für das Marzipan
- 50 g Butter
- 50 g Puderzucker zum Bestreuen (unbedingt selbst im Mörser selbst zerstoßen, schmeckt sonst nach Pappe)
Mehl, Zucker, Salz und Hefe vermengen und mit der Milch verkneten; ca eine Stunde gehen lassen.
Orangeat, die Zesten, Rosinen, Mandeln Mandelöl mit 2 EL Rum vermischen. Nachdem der Teig gegangen ist, mit dieser Mischung vermengen, auf bemehlter Arbetisfläche zu einem Rechteck rollen mit einer Vertiefung in der Mitte.
Die Marzipan Rohmasse mit 1 EL Rum und 50 g Puderzucker verkneten und zu einer Rolle formen; diese in die Vertiefung des Teigstückes legen. Den Teig darüber klappen und zu einem Stollen formen. Noch mal ca. eine halbe Stunde gehen lassen. Bei 175 Grad ca. 90 Minuten backen. Dann sofort mit flüssiger Butter bestreichen und mit dem restlichen Puderzucker bestreuen. Schmeckt erst richtig gut nach ein paar Tagen.