WELT goes Welt-Verschwörung
Anti-Amerikanismus bei Springer?
Ein Leser machte mich heute auf diesen Artikel in der WELT aufmerksam. Und ich reibe mir nach dem ersten flüchtigen Lesen noch die Augen. Gab es da nicht diese Grundsätze von Springer, wonach u.a. niemals die amerikanische Freundschaft infrage gestellt werden darf? Und jetzt lautet da die Überschrift dieses Artikels schlicht und ohne Fragezeichen
Barack Obama und die Pläne zur Weltherrschaft
Und es folgt ein durchgeknallter antisemitischer Artikel, auch wenn das Wort “Jude” nicht mal drin vorkommt. Aber der Verweis auf Spinoza z.B. ist eindeutig, wird der etwa schon von Carl Schmitt als typisch jüdischer Staatsvergifter gehandelt.
Dass nun Obama plant, die Welt zu beherrschen, dazu bedarf es wirklich keiner „Protokolle der Weisen von Greenwich”. Ein einfaches Zitat aus einer seiner Reden hätte genügt. Denn schon wiederholt, und zum Beispiel in seiner Rede in der Wahlnacht, hat er versprochen, dass er es als Präsident der USA als eine seiner wichtigsten Aufgaben ansieht, die ganze Welt zu befreien. Es ist mir im Übrigen zu billig, zu belegen, dass liberale Gedanken nicht irgendwo von ein paar Engländern in Greenwich erzeugt wurden, sondern mindestens so alt sind, wie das Christentum. Also kurz: an dem Artikel ist eigentlich nur eines überhaupt bemerkenswert: dass er in der WELT steht.
18. Dezember 2008 um 14:10
So, jetzt wo eben 2 Frauen von den ” Zeugen Jehovas ” vor meiner Tür mich überzeugen wollten, dass Frieden auf Erden doch möglich sei, komme ich endlich zum kommentieren.
Also, etwas ungewöhnliches ist in diesem Interview doch erhalten. Ich ( als Kenner der ” Szene” habe davor noch nie etwas von den ” Protokollen der Weisen von Greenwich gehört oder gelesen “. Klar, gibt es ein anglo-amerikanisches Establishment. Und das die USA machtpolitisch mit den Briten zusammenarbeiten sollte recht offenkundig sein ( siehe Blair ). Aber von solchen ” Protokollen ” ? Das wäre mir doch sicher kaum entgangen. Möglicherweise handelt es sich hier um gezielte Desinfo, um die ” VT-Szene ” damit unglaubwürdig zu machen.
Warum der Artikel nun soooo antisemitsch sein soll versteh ich nicht ganz. Das ” Argument ” ” Struktureller Antisemitismus ” wird als Umkehrschluss oft verwendet gegen alle sog. ” Verschwörungstheorien ” : Auch Bröckers wird von dem Historiker ” Wippermann ” dieser vorgeworfen, auch dem Prof. Bernd Senf weil er das Zinssystem kritisiert. Das finde ich unredlich, brauch dann doch nur eine Gruppe wie z.B. die it. Mafia oder Monsanto ihre Verschwörung nur so zu organisierten, dass diese ” strukturell ” mit einer antisemitischen VT Ähnlichkeiten hat. Jede Kritik an deren Machenschaften könnte dann mit der Antisemitismuskeule totgeschlagen werden, da Antisemitismus das schwerste Verbrechen gegen die PC überhaupt ist, etwa auf einer Stufe mit ” Kinderschänder “.
Thors Hammer
18. Dezember 2008 um 14:41
Das bestreite ich auch nicht. Für mich ist allerdings „ungewöhnlich” nicht identisch mit „bemerkenswert”, im Gegenteil, gerade das Ungewöhnliche ist oft der Rede nicht wert. Die „Protokolle von Greenwich” sind also anscheinend eine USP (uniqe selling proposition, Alleinstellungsmerkmal) des Autors. Da kann er sich m.M.n. nun auch nix drauf einbilden, da es schlicht Schwachsinn ist, die Idee der „offenen Gesellschaft”, die lt. Schmitt tatsächlich Ausdrück jüdischer Weltverschwörung gegen den Staat an sich ist, in einen Geheimplan zu verpacken. Wie kann so etwas geheim sein, in das Obama nun womöglich „eingeweiht” wurde, was du in jedem Buchladen kaufen kannst? Zudem labert der Autor ja selbst, es sei weniger ein Plan, als “eine Identität”. –– Und nun die Abwendung Amerikas von Europa damit zu belegen, dass der neue Präsident Obama auf der geographisch von Europa abgewandten Seite Amerikas, ganz weit weg von uns, aufgewachsen ist, erinnert stark an die Argumentation Pallins, die ja auch ihre Kompetenz in Sachen Außenpolitik damit begründete, dass sie von ihrem Fenster aus Russland sehen könne (was übrigens nicht stimmt. Den einzigen Ort in Alaska, von dem aus man das kann, hat Pallin nachweislich nie besucht).
Zum Antisemitismus: Nimm das aus meinem Mund bitte nicht als Totschlagkeule, sooo schlimm finde ich Antisemitismus ja grundsätzlich gar nicht. Was mich nervt ist, wenn er sich nicht explizit zeigt, wie eben im Artikel, wo so scheinbar zufällig mal (der Jude) Spinoza und (der Jude) Poppers erwähnt wird, ansonsten alles den weissen Protestanten angelastet wird. (Das „darf” man ja ungerügt tun).
Aber wie gesagt, man kann sich nicht mit jedem Müll befassen. Das einzig merkwürdige bleibt für mich erstmal, dass die WELT diesen Artikel überhaupt gebracht hat. Die Welt braucht ihn nicht.